Große Orgel im Berliner Dom wird 2027 saniert
Berlin (epd).

Grauer Baustaub im Instrument, auf mehr als 7.000 Pfeifen, Mechanik und Gehäuse: Die Sauer-Orgel von 1905 im Berliner Dom muss saniert werden. Die rund 400.000 Euro teuren Arbeiten sollen im Januar 2027 beginnen und etwa drei Monate dauern, hieß es bei der Vorstellung des Vorhabens am Donnerstag in Berlin. Die Domgemeinde könne dies nicht aus eigener Kraft bewältigen. Zur Finanzierung würden dringend Förderer und Sponsoren gesucht. Der Dom gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Domorganist Andreas Sieling sagte, durch die zurückliegenden mehrjährigen Bauarbeiten an der Hohenzollerngruft des Doms habe sich „sehr aggressiver Baustaub“ in dem Instrument abgelagert. „Deshalb müssen wir jetzt handeln“, sagte er. Der Baustaub drohe eine Legierung mit den Orgelpfeifen einzugehen. Dombaumeisterin Sonja Tubbesing sagte, der sehr feine, alkalische Gipsstaub aus der Gruft müsse vom Instrument entfernt werden. Eine zusätzliche Staubbelastung entstehe durch die Besucherströme im Dom.

Wilhelm Sauers Meisterwerk

Sieling nannte die Orgel ein Meisterwerk des Orgelbaumeisters Wilhelm Sauer (1831-1916) aus Frankfurt an der Oder und die einzige original erhaltene Orgel der deutschen Spätromantik. Sauer habe einst mehr als 2.000 Orgeln gebaut, sagte er. Das Instrument im Berliner Dom sei dessen „Opus Magnum“ und „das größte, das schönste, das poetischste Instrument“ Sauers. Das technische und klangliche Denkmal müsse als Kulturgut gerettet werden. Die Orgel hat 7.269 bis zu zehn Meter hohe Pfeifen, mehr als 100 Klangfarben-Register, vier Manuale und Pedal.

Viele der Pfeifen könnten bereits nicht mehr frei zum Klingen gebracht werden, hieß es. Außerdem sei das Leder der Ventile altersbedingt brüchig und undicht geworden. Dadurch entstünden störende Dauertöne, sogenannte „Heuler“. Insgesamt 7.500 Lederbälgchen müssten deshalb von Hand neu hergestellt werden, um wieder alle Register störungsfrei spielen zu können.

Neue Orgel wäre weit teurer

Ein Verzicht auf die Sanierung sei keine Option, hieß es. Sieling sagte, sollten die Arbeiten unterbleiben und später eine neue Orgel eingebaut werden müssen, würden dafür weit über zwei bis drei Millionen Euro Kosten entstehen.

Bei verschiedenen Stiftungen liefen bereits Anfragen nach Fördermitteln, hieß es. Domkapitelverwalter Konrad Fickelscher sagte, eine erste Zusage liege vor. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass für eine Summe von bis zu 200.000 Euro zusätzliche Geldgeber gefunden werden müssten. Geplant sei, dass die Orgelbaufirma Sauer aus Müllrose in Brandenburg die Arbeiten übernimmt.

Romantische Orchesterorgel

Die Berliner Domorgel sei nicht nur der Höhepunkt in Sauers Schaffen gewesen, hieß es. Sie sei zugleich Endpunkt der langen Entwicklung der romantischen Orchesterorgel, deren klangliche Charakteristik dem damaligen Sinfonieorchester entspreche.

Der Dom verfügt noch über drei weitere Orgeln, die deutlich kleiner sind. Die jüngste stammt aus dem Jahr 2014, die älteste aus dem 17. Jahrhundert. Der Opus-Klassik-Preisträger und promovierte Musikwissenschaftler Andreas Sieling ist sei 2005 Domorganist und unterrichtet auch als Professor an der Berliner Universität der Künste.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)