Das Grabmal von Kaiser Otto dem Großen (912-973) ist im Verlauf der Zeit mehrfach umgestellt worden. Das belegen archäologische Untersuchungen im Untergrund des steinernen Sarkophags im Magdeburger Dom, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Donnerstag in Magdeburg mit. Demnach seien im Fundament des Kaisergrabes Unterbausteine mit spätmittelalterlichen Steinmetzzeichen verwendet worden. Dies sei ein deutlicher Hinweis, dass das Grabmal erst im gotischen Domneubau ab 1207 an diesem Ort seinen Platz gefunden habe.
Bei den Ausgrabungen wurden Münzen, Glasperlen, glasierte Dachziegel und bemalte Putzfragmente gefunden. Diese zeugten von der prächtigen farbigen Ausgestaltung der Vorgängerbauten des gotischen Magdeburger Domes.
Fragiler Steinsarkophag muss restauriert werden
Im Zuge der seit 2025 laufenden Sanierungen des fragilen Grabes aus dem 10. Jahrhundert war zunächst die rund 300 Kilogramm schwere antike Marmorplatte abgenommen und der innere Holzsarg mit den sterblichen Überresten des Herrschers entnommen worden. Danach wurde der Kalksteinsarkophag in einen geschützten Bereich im Dom umgesetzt, wo derzeit die Sanierung des Steintroges stattfindet.
Wie das Landesamt mitteilte, sind neben erheblichen klimatischen Schwankungen die rostenden eisernen Nägel und Klammern aus dem 19. Jahrhundert Ursache für Risse und weitere Schädigungen des Sarkophags. Andererseits seien die Schäden auch auf aufsteigende Feuchtigkeit und Salze zurückzuführen. Deshalb umfasst die Restaurierung des steinernen Grabes insbesondere die Entfernung dieser Eisenbestandteile.
Ausgedehntes Gangsystem unter dem Kaisergrab.
Durch das Umsetzen des Steinsarkophags war es möglich, auch den Untergrund im Hohen Chor genauer zu untersuchen. Dabei wurden gegrabene Gänge bis direkt unter das Grabmal entdeckt. Aus historischen Aufzeichnungen und früheren Untersuchungen war bekannt, dass etwa zwei bis drei Meter unter dem Grab ein größerer Hohlraum und Gänge existieren. Diese „Pioniergräben des Baurats Angelroth“ seien in Teilen im Jahr 1896 entstanden, teilweise aber auch älter, hieß es. Diese Gänge sei wohl bereits im 19. Jahrhundert in weiten Teilen verfüllt worden, um das Absacken des Bodens zu unterbinden.
Ursprüngliche Lage des Kaisergrabs nicht geklärt
Die aktuellen Untersuchungen hätten keine Hinweise geliefert, „dass sich das Grab Ottos des Großen im Vorgängerbau des heutigen Domes ebenfalls an dieser Stelle befand“, teilte ein Sprecher des Landesamtes mit. Demnach müsse die Frage nach der ursprünglichen Lage des Grabes „also vorerst weiter offenbleiben“.
Der Archäologe Rainer Kuhn hatte in den 2000er Jahren auf dem Domplatz und unter dem gotischen Dom Reste von zwei mächtigen ottonenzeitlichen Kirchen ergraben. Für ihn steht deshalb fest: „Entweder lag Ottos Grab ursprünglich in der Nordkirche am Domplatz oder in der Sűdkirche, also unter der heutigen Kathedrale. Dann aber in der Mittelachse. Und das wäre ein gutes Stück weg vom heutigen Standort“, sagte Kuhn.
Die sterblichen Überreste im Sarg konnten mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersucht und im März zweifelsfrei als die originalen Gebeine Ottos des Großen identifiziert werden. Am 1. September soll die Wiederbeisetzung im Hohen Chor stattfinden.