Das Goethe-Institut hat die Goethe-Medaille 2026 an den estnischen Komponisten Arvo Pärt, die italienische Übersetzerin Anita Raja und den griechischen Theatermacher Prodromos Tsinikoris verliehen. Alle drei Preisträger stünden für ein kulturell weltoffenes Europa, sagte die Präsidentin des Goethe-Instituts, Gesche Joost, am Freitag in Weimar bei der Preisverleihung. Die Werke der Preisträger zeigten Mut und dies sei gerade heute, in Zeiten der Polarisierung, wichtig.
Pärt, Raja und Tsinikoris seien auf unterschiedliche Weise eng mit Deutschland verbunden, sagte Joost. Als Preisträger setzten sich alle drei Geehrten mit der deutschen Kultur und Geschichte auseinander, sagte Joost. Dabei werfen sie in ihrer Arbeit jeweils einen neuen Blick von Außen auf Deutschland.
Preisträger als unverzichtbare Brückenbauer
Pärt habe viele Jahre in Berlin gelebt, nachdem seine Werke in der Sowjetunion verboten wurden, betonte Joost. Raja habe unter anderem Autorinnen wie Christa Wolf in Italien bekannt gemacht. Tsinikoris verbinde in seiner Arbeit Griechenland und Deutschland und beschäftige sich mit Migration und sozialer Ungleichheit.
Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Gunther Krichbaum (CDU), würdigte die Preisträger als unverzichtbare Brückenbauer, die in der Welt von heute und in Europa mehr denn gebraucht werden. Kultur trage zu friedlichen Lösungen von Problemen bei.
90-jähriger Pärt gesundheitlich verhindert
Der 90-jährige Komponist Arvo Pärt wurde für sein international bekanntes musikalisches Werk geehrt. Die Auszeichnung nahm sein Sohn Michael für den betagten Künstler entgegen. Seine Kompositionen erreichten Menschen „über alle Schichten und Kulturen hinweg“, sagte der Musikwissenschaftler Björn Gottstein in seiner Laudatio.
Anita Raja und Prodromos Tsinikoris wurden für ihre Arbeit als kulturelle Vermittler ausgezeichnet. Tsinikoris wurde als Sohn griechischer Gastarbeiter in Wuppertal geboren. Heute lebt und arbeitet in Athen als Regisseur, Dramaturg sowie Schauspieler und thematisiert unter anderem Migration und Zugehörigkeit. Raja übersetzte unter anderem Werke von Christa Wolf, Ingeborg Bachmann, Georg Büchner und Franz Kafka ins Italienische. Als Tochter einer im Holocaust verfolgten deutsch-polnischen Jüdin bezeichnete die Verleihung der Goethe-Medaille als „Versöhnung“ und „fast als eine Form von Restitution“.
Goethe-Medaille als wichtigster Preis der auswärtigen Kulturpolitik
Für den Vorsitzenden der Kommission zur Verleihung der Goethe Medaille, Thomas Oberender, ist Europa kein bloßer kultureller Besitzstand, sondern eine Übersetzungsaufgabe. Es bringe sich ständig aktiv selbst hervor. Die Preisträger seien prägende Kräfte in diesem Prozess.
Seit 1955 verleiht das Goethe-Institut jährlich die Goethe-Medaille als offizielles Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist der wichtigste Preis der auswärtigen Kulturpolitik. Die Verleihung findet traditionell am 28. August, dem Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832), statt. Bis heute wurden insgesamt 386 Persönlichkeiten aus 71 Ländern geehrt, darunter Daniel Barenboim, Irina Scherbakowa oder Jorge Semprún (1923-2011).