Vom Wohnen über Rebellion bis zur Religion: Das Filmmuseum Potsdam stellt zum 80. Gründungstag der DDR-Filmgesellschaft Defa ausgewählte Werke aus deren Schaffen vor. Unter dem Titel „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion“ werden insgesamt 40 Filme in den Blick genommen, darunter auch einige Kinderfilme, sagte Kurator Guido Altendorf am Mittwoch in Potsdam. Gezeigt werden Filmausschnitte und dazu gehörende Exponate. Die Ausstellung wird am Donnerstag eröffnet und bis zum 2. Mai 2027 gezeigt.
Altendorf sagte, präsentiert würden Themen, die „Jedermann jederzeit und überall angehen“. Die Filme beschäftigten sich ausnahmslos mit dem Alltag der Menschen in der DDR. Dazu gehören unter anderem „Lots Weib“ von 1965, „Der Baulöwe“ von 1980, „Die Beunruhigung“ von 1982 und „Erscheinen Pflicht“ von 1984. Als Exponate werden ein Original-Drehbuch von Ulrich Plenzdorf (1934-2007) und weitere Drehbücher, Kostüme, Fotos, ein FDJ-Hemd und andere Requisiten und Dokumente gezeigt.
Keine Märchenfilme
Museumsdirektor Michael Fürst sagte, in Kombination mit der bereits laufenden Foyer-Sonderausstellung über die Geschichte der Defa werde die DDR-Filmgesellschaft als „ein großes Ganzes“ vorgestellt. Kurator Altendorf betonte, die Ausstellung solle auch zeigen, dass die DDR „sehr viel bunter, sehr viel weniger monolithisch“ gewesen sei, als manchmal angenommen. Der SED-Staat solle damit jedoch nicht gefeiert werden. Ziel sei, einen Überblick über 40 Jahre DDR zu geben.
Der Titel der Ausstellung verweist dem Kurator zufolge auf den Film „Solo Sunny“ von 1980, in dem die Protagonistin mit diesen Worten an einem Morgen ihren Liebhaber wegschickte. Der Spruch „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion“ sei in der DDR zu einem geflügelten Wort geworden.
Altenburg betonte, Genres wie Märchenfilme würden nicht thematisiert, seien jedoch in der Dauerausstellung vertreten. Ein Blick auf einen Zusammenschnitt aus diesen Filmen kann auch am Ende der Sonderausstellung in der sogenannten „Schwindelbude“ geworfen werden.
Elf Themenbereiche
In der Ausstellung werden elf Themen jeweils drei bis vier Defa-Filme zugeordnet. Die Spanne reicht von „Essen und Trinken“ über „Freiheit und Fernweh“, „Emanzipation“, „Rebellion und Rückzug“ bis hin zu „Sex und Liebe“. Im Abschnitt „Kirche und Religion“ werden Filme von 1963, 1982 und 1988 vorgestellt.
Auch einige dokumentarische Film-Zeitzeugnisse werden präsentiert, die zum Teil nur für das Archiv aufgenommen wurden. Darunter sind Beiträge von 1984 über die evangelische September-Synode in Greifswald und über den damaligen Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe (1936-2019).
Sehnsüchte und Bedürfnisse
Die Defa wurde am 17. Mai 1946 gegründet. Sie war den Angaben zufolge der einzige Studiobetrieb, der in der DDR Spielfilme herstellte. Ihre Produktionen seien nicht nur Ausdruck der ideologischen Linie der Staatsführung, sondern oft eigensinnig und widerständig gewesen, hieß es. Die Filmschaffenden hätten die Sehnsüchte, Gefühle und Bedürfnisse der Bevölkerung formuliert, deren Teil sie waren. Bis 1992 wurden von der Defa den Angaben zufolge neben zahlreichen Dokumentar- und Animationsfilmen rund 750 Spielfilme hergestellt.