Bis zuletzt sind die Arbeiten im Gange. Und auch nach der offiziellen Eröffnung wird sicher noch Hand angelegt. Am Sonntag wird in Berlin-Neukölln ein neuer Hindu-Tempel eingeweiht. Dahinter liegen viele Jahre der Planung, des Geldsammelns sowie zahlreiche Baustopps.
Für Vilwanathan Krishnamurthy geht in diesen Tagen ein Lebenstraum in Erfüllung. Er ist von Anfang an dabei und gilt als Initiator des Tempelbaus am nordöstlichen Rand des Volksparks Hasenheide. Der 72-Jährige kam 1975 als junger Mann zum Arbeiten nach Deutschland. Hier hat er zusammen mit seiner Frau zwei Kinder groß gezogen. Inzwischen ist er im Ruhestand, tatsächlich aber seit Tagen vor allem auf dem Tempelareal anzutreffen.
Multireligiöses Umfeld
Der „Sri Ganesha Hindu Temple“ ist nach dem elefantenköpfigen Hindu-Gott Ganesha benannt. Der glückverheißende Sohn der Götter Shiva und Parvati gehört zu den beliebtesten Gottheiten in Indien. Krishnamurty verweist auf den friedlichen und fröhlichen Charakter Ganeshas. Dies sei eine gute Voraussetzung, damit der Tempel in der multireligiösen Nachbarschaft angenommen wird. Nicht weit entfernt hat etwa der Nuntius des Vatikans seinen Sitz.
Bereits ab Mittwoch (3. Juni) sind laut Trägerverein mehrere Rituale geplant. Zum Höhepunkt der Tempelweihe am Sonntag soll der rund 17 Meter hohe, farbenprächtige Turm des Tempels mithilfe eines Krans mit Wasser aus der Spree und dem indischen Ganges übergossen werden. Dazu werden unter anderem Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe und der Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel (alle SPD) sowie der indische Botschafter Ajit Gupte erwartet.
Zahlreiche Baustopps
Die Baukosten von rund 1,1 Millionen Euro wurden allein aus Spenden finanziert, sagt Krishnamurthy. Auch die Kosten für den Priester, der seit dieser Woche seinen Dienst im neuen Tempel tut, werden von den Gläubigen getragen.
Die Planungen für das Heiligtum in Berlin-Neukölln gehen bis in das Jahr 2005 zurück, 2010 war Baustart. Wegen zahlreicher Baustopps verzögerte sich die Fertigstellung.
Farbenprächtige Turmfassade
Die Fassade des sogenannten Königsturms zieren 219 bunte Skulpturen. Das sechs Meter hohe Eingangsportal wird nur an Feiertagen geöffnet. Dahinter schließt sich die Tempelhalle an. Darin befinden sich der Hauptaltar für Sri Ganesha sowie mehrere Nebenaltäre unter anderem für Shiva, Vishnu und Durga, jeweils bewacht von imposanten Wächterfiguren. Der Tempel steht zu den Öffnungszeiten allen Besuchern offen. Die Tempelhalle ziert ein sechs Meter hoher, goldfarbener Turm, Vimana Gopuram, der die Verbindung von Erde und Himmel symbolisiert.
Das rund 5.000 Quadratmeter umfassende Areal, auf dem die Tempelanlage errichtet wurde, hat der Verein nach eigenen Angaben vom Bezirk Neukölln für 85 Jahre gepachtet. Damals war der legendäre Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) am Ruder. Auf dem Gelände steht ein altes Backsteingebäude. Es dient bereits seit Jahren als provisorische Gebetshalle.
Einer der größten Hindu-Tempel Europas
Die Anlage ist laut Vereinsvorstand nach dem „Shri Swaminarayan Mandir“ in London der zweitgrößte Hindu-Tempel in Europa. In Berlin gibt es außerdem den „Murugan Temple“ in Berlin-Britz, der vor allem von der aus Sri Lanka stammenden tamilischen Gemeinschaft genutzt wird, sowie zwei Gebetsräume, den „Radha Govinda Tempel“ in Berlin-Reinickendorf und den „Jagannatha Temple“ der Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein in Berlin-Weißensee. Krishnamurty ist überzeugt, dass der Neuköllner Ganesha-Tempel für alle Hindu-Richtungen ein Anziehungspunkt sein wird.
Der Hinduismus ist mit Abstand die am weitesten verbreitete Religion in Indien. Etwa vier von fünf Indern sind laut offiziellem Zensus von 2011 Anhänger dieser Religion. An zweiter Stelle steht der Islam, gefolgt mit großem Abstand vom Christentum, der Sikh-Religion und dem Buddhismus.
In Berlin leben zahlreiche indischstämmige Menschen. Laut Statistischem Landesamt waren zudem Ende 2025 mehr als 48.000 indische Staatsbürger in Berlin gemeldet, die viertgrößte ausländische Gruppe, nach türkischen, ukrainischen und polnischen Staatsbürgern.
Wie viele Menschen tatsächlich aus Indien in Berlin leben, weiß auch Krishnamurty nicht. Angesichts der zahlreichen Zuzüge in den vergangenen Jahren hat er aber keine Angst, dass der Tempel zu groß geraten sein könnte. Im Gegenteil.