Bode-Museum: Vom Großen Kurfürsten bis Angela Merkel
Berliner Museum vor 20 Jahren wiedereröffnet
Berlin (epd).

Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) hat jeden Besucher des Bode-Museums gesehen. Wer in die Gänge des Museums hinein will, muss sich erst vom „Großen Kurfürst“, der in mehr als vier Metern Höhe auf seinem Pferd thront, mustern lassen.

Das Reiterstandbild im kuppelüberwölbten Eingangsbereich kann als Sinnbild für die vielen Erneuerungen in der Geschichte des Berliner Museums gesehen werden. Für den originalen Sockel des 1703 erstmals errichteten Standbilds ließ Museumsgründer Wilhelm von Bode (1845-1929) eine maßstabsgetreue Kopie des Denkmals anfertigen und im Eingangsbereich des Museums aufstellen.

Fast auf den Tag genau 102 Jahre nach der Eröffnung am 18. Oktober 1904 wurde der Prunkbau am 17. Oktober 2006 nach knapp sechsjähriger Generalsanierung wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Das Ende der Sanierung stellte auch eine späte Wiedervereinigung dar: Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die auf beiden Stadthälften Berlins verteilten Kunstschätze wieder zusammen präsentiert.

„Hohe Künste“ gleichrangig nebeneinander

Über dem Wasser der Spree erhebt sich der neobarocke Bau mit großer Kuppel auf der Nordspitze der Museumsinsel. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum beschädigt und zwischen 1948 und 1986 nach und nach wiederhergestellt. Heute beherbergt es die Skulpturensammlung, das Museum für byzantinische Kunst, Gemälde und das Münzkabinett.

Zur Ersteröffnung 1904 wagte sich das neue Museum in unbekanntes Terrain: Malerei und Skulptur, die damals sogenannten „hohen Künste“ wurden laut Museumsangaben erstmals gleichrangig nebeneinander präsentiert und hoben sich so von der Inszenierung traditioneller Museen ab.

Raum und Exponate erklären sich gegenseitig

Antje Scherner ist die Direktorin des Hauses, der Skulpturensammlung und des Museums für byzantinische Kunst. Aus ihrer Sicht macht genau diese Zusammenführung der Gattungen das Museum heute noch einzigartig.

Im Bode-Museum werde ein ganzheitliches Erleben in vielen Teilen ermöglicht, sagt sie. Die Exponate sind nicht in einer „White Cube“-Situation ausgestellt, sie stehen also nicht in komplett weißen Räumen. Stattdessen sollen die Räume mit ihren Exponaten reagieren und sich gegenseitig erklären. Dieser Gedanke stamme noch aus dem Ursprungskonzept, erklärt Scherner. Die Besuchenden sollten beispielsweise das Gefühl haben: „Ah, hier bin ich in Italien.“ Oder: „Jetzt befinde ich mich in einem kirchlichen Kontext.“

Publikumsandrang dank Merkel-Porträt

Zu den Highlights des Museums gehört etwa der geschnitzte Evangelist Lukas von Tilman Riemenschneider (um 1460-1531), das Relief mit Befreiung einer belagerten Stadt aus dem 5. Jahrhundert oder die Büste Dorothea von Rodde-Schlözer von Jean-Antoine Houdon (1741-1828). Scherner selbst hat mehrere Favoriten, wie sie sagt. Eines ihrer Lieblingsexponate sei die Figur des Putto auf einem Delfin von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680).

Die Schau stiehlt momentan aber ein prominenter Gast in der Gemäldesammlung: Zwischen Landschaftsmalerei von Charles François Lacroix de Marseille (um 1700-1782) hängt das offizielle Porträt der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Gemälde sorgt für so großen Publikumsandrang, dass die Ausstellung des Werks kürzlich um drei Monate bis Anfang Januar kommenden Jahres verlängert wurde, bevor es seinen endgültigen Platz im Kanzleramt finden soll. Anfang Oktober kam die Ex-Kanzlerin zur Signierstunde ins Museum, die 450 kostenlosen Tickets waren schnell vergriffen. Laut Museumsangaben wurden zuletzt täglich rund 850 bis 900 Besucherinnen verzeichnet - 80 bis 85 Prozent mehr als in vergleichbaren Zeiträumen der Vergangenheit.

Goldraub und neue Sanierungsarbeiten

Auch auf anderer Ebene rückte das Bode-Museum in den vergangenen Jahren ins Rampenlicht: Im März 2017 brachen Diebe nachts in das Museum ein und stahlen eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze mit einem damaligen Goldwert von 3,3 Millionen Euro. Das 53 Zentimeter große und drei Zentimeter dicke Sammlerstück „Big Maple Leaf“ stammte aus Kanada und zeigte das Konterfei von Queen Elizabeth II. sowie ein Ahornblatt. Zwei junge Männer aus der Großfamilie Remmo und ein Ex-Wachmann wurden später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Auch nach einer Generalsanierung ist ein Museum nicht vor neuen Reparaturen gefeit: Einige Leuchtmittel im Haus sind noch nicht in der Gegenwart angekommen. Vor 20 Jahren wurden noch Neonröhren verbaut, heutzutage sind diese aus energetischen Gründen nicht mehr üblich. „Da ist eine Generalüberholung notwendig“, sagt Scherner.

Von Jonas Grimm (epd)