Die Berliner Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße muss von Grund auf saniert werden. Ab 2030 werde die denkmalgeschützte Architekturikone deshalb bis voraussichtlich 2041 geschlossen, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Donnerstag in Berlin mit. Dafür habe der Bund insgesamt 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Weitere 350 Millionen Euro sind für mögliche Risiken und Baupreissteigerungen vorgesehen.
Das von Hans Scharoun (1893-1972) unter Mitwirkung von Edgar Wisniewski (1930-2007) von 1967 bis 1978 errichtete Gebäude soll moderner, nachhaltiger und nutzerfreundlicher werden, hieß es. Täglich werden bis zu 2.000 Nutzer in der Bibliothek gezählt.
Das wegen seiner Form auch als „Bücherschiff“ bezeichnete Gebäude entstand in Folge der Teilung der Stadt und ist der zweite Standort der Berliner Staatsbibliothek. Unter den Linden, im ehemaligen Ostteil der geteilten Stadt, befindet sich das historische Bibliotheksgebäude. Neben der Staatsbibliothek beherbergt das knapp 230 Meter lange Haus an der Potsdamer Straße das Ibero-Amerikanische Institut.
Bis 2030 sind bauvorbereitende Maßnahmen nötig. Dazu gehört etwa der Umzug von rund 5,4 Millionen Büchern in vier Ausweichstandorte. Zudem soll für die rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Ersatzneubau an der Tiergartenstraße in der Nähe des Kunstgewerbemuseums entstehen. Die Bücherausleihe soll auch in den Außendepots gewährleistet werden. Nutzer des Lesesaals der Staatsbibliothek Potsdamer Straße müssen während der Schließzeit in andere Berliner Bibliotheken ausweichen.
Der Entwurf des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner sieht auch eine Öffnung an der Ostseite des Hauses in Richtung Potsdamer Platz vor. Ein neuer Eingang soll vom Marlene-Dietrich-Platz eine Fußgängerpassage zwischen Potsdamer Platz und Kulturforum schaffen, hin zu Philharmonie, Neuer Nationalgalerie, Gemäldegalerie, St. Matthäus-Kirche und dem in Bau befindlichen Museum Berlin Modern.
Nach mehr als 40 Jahren intensiver Nutzung müssen den Angaben zufolge Bausubstanz und nahezu alle technischen Anlagen von Grund auf erneuert werden. Andernfalls drohe eine dauerhafte Schließung des Hauses. Regelmäßig gibt es den Angaben zufolge technische Störungen und Wasserschäden durch kaputte Leitungen. Herumstehende Eimer zum Auffangen des von Decken heruntertropfenden Wassers gehören seit Jahren zum Alltagsbild in dem Gebäude. In den vergangenen Jahren gab es in der Staatsbibliothek zudem schon eine Asbestsanierung. Die Projektleitung hat das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Bauherr ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Mit dem Baumaßnahmen soll das Haus deutlich energieeffizienter werden. So soll künftig Geothermie eingesetzt und die Abwärme der IT-Serverräume genutzt werden. Photovoltaik werde eingebaut, „wo dies statisch und denkmalschutzgerecht möglich ist“.
Die Staatsbibliothek Haus Potsdamer Straße ist das größte Bauwerk Hans Scharouns. Mit rund 114.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche ist das Gebäude flächenmäßig etwa doppelt so groß wie die Neue Nationalgalerie, die Philharmonie und das im Bau befindliche Museum Berlin Modern zusammen.