Berlin zeigt große Schau der Performance-Künstlerin Marina Abramovic
Berlin (epd).

Sie gilt als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen und hat die Performance-Kunst in die Museen der Welt gebracht: Der Berliner Gropius Bau präsentiert von Mittwoch an die Ausstellung „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ von Marina Abramovic. Die Schau stellt historische Werke neuen Videoinstallationen der heute 79-jährigen serbischen Performance-Künstlerin gegenüber. Es ist die erste große Einzelausstellung Abramovics in Berlin seit den 1990er Jahren.

In den Arbeiten geht es um Rituale, Erotik, Tod und den Körper als Ort politischen Widerstands. Sie sind brutal, verstörend und voller sexueller Energie. „All die Energie, die durch unsere Körper fließt, ist sexuelle Energie“, wird Abramovic in der Ausstellung zitiert: „Wir können sie für kreative oder spirituelle Zwecke nutzen. Oder wir können sie unterdrücken und dann führt sie zu Aggression, Krieg, Wut und Folter.“

Schmerz, Ausdauer und erotische Erfahrungen

Abramovic selbst bezeichne die Ausstellung als „das ambitionierteste Werk“ ihrer Karriere, sagte Gropius Bau-Direktorin Jenny Schlenzka. Seit den 1970er Jahren arbeite die in Titos Jugoslawien aufgewachsene Künstlerin mit ihrem Körper und setze sich dabei mit Ritualen, Ausdauer und Transformation auseinander. Bis zu ihren jüngsten Arbeiten erkunde sie, wie Schmerz, Ausdauer und erotische Erfahrungen den eigenen Körper an seine Grenzen bringen. In ihrem 2005 begonnenen Werkzyklus „Balkan Erotic Epic“ greife sie diese Rituale auf, um regionale Alltagspraktiken des Balkans sichtbar zu machen.

Zu den jüngeren Werken gehört die im Lichthof zu sehende monumentale Videoarbeit „Tito’s Funeral (2025)“ über die Beerdigung des langjährigen jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito im Jahr 1980. Ein anderes Video „Fucking the Ground“ zeigt nackte Männerkörper, die in einer grotesken Orgie mit der Erde kopulieren. Das Werk beziehe sich auf Erzählungen von vermeintlichen naturreligiösen Fruchtbarkeitsriten in verschiedenen Ländern des Balkans, heißt es dazu.

Performance von 1974 in Belgrad

Unter den älteren Videoarbeiten ist „Rhythm 5“, eine Performance, die Abramovic nur ein einziges Mal 1974 in Belgrad aufgeführt hat. Sie setzte damals einen übergroßen hölzernen Kommunisten-Stern in Flammen und legte sich in die Mitte des brennenden Sterns, bis sie wegen Sauerstoffmangel das Bewusstsein verlor.

Daneben umfasst die Schau auch mehrere Live-Performances. Darunter ist die Arbeit „Nude with Skeleton“ („Nackt mit Skelett“), die 2002 erstmals von Abramovic selbst aufgeführt wurde.

75 Jahre Berliner Festspiele

Die Ausstellung ist Teil des Programms zum 75. Jubiläum der Berliner Festspiele in diesem Jahr. Nach der Ausstellung im Gropius Bau gibt es im Oktober die neue mehrstündige Bühnenproduktion „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“ im Haus der Berliner Festspiele. Zudem wird es im Gropius Bau weitere Performance-Kunst geben: Mitte Juni eröffnet eine Schau der Erfurter Künstlerin Gabriele Stötzer, im Oktober eine Ausstellung von Regisseur und Theaterautor Christoph Schliegensief (1960-2010). Alle drei verkörperten das „Extreme“ und arbeiteten mit ihrer Kunst „zwischen den Sparten“, sagte Gropius Bau-Direktorin Schlenzka.

Von Markus Geiler (epd)