Das Akkordeon als Instrument des Jahres 2026 wird bundesweit in den kommenden Monaten mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt. In Berlin sind dazu unter anderem Konzerte, Workshops und eine Ausstellung geplant, wie die Präsidentin des Landesmusikrates Berlin, Hella Dunger-Löper, am Donnerstag zur Präsentation des Instruments im Musikinstrumenten-Museum sagte. Unter anderem soll es auch Auftritte in mehreren Berliner Einkaufszentren geben.
Bundesweit lernen laut Landesmusikrat derzeit 10.816 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Musikschulen Akkordeon. In Berlin sind es 483 Personen.
Luft, Druck und Bewegung
Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) betonte, das Akkordeon passe gut zu Berlin. Genau wie diese Stadt lebe es von Luft, Druck und Bewegung: „Es kann rau und laut sein wie eine U-Bahn-Station und zugleich zart und melancholisch wie ein Sommerabend am Landwehrkanal“, sagte sie vor einer Unterrichtseinheit vor Publikum an dem für sie unbekannten Instrument.
Claudia Buder, die als Akkordeon-Professorin an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar im Musikinstrumenten-Museum der Kultursenatorin erste Tipps gab, zeigte sich besonders von der Vielseitigkeit des Akkordeons begeistert. Das Instrument „atmet, flüstert und rauscht: Diesem Allrounder gelingt es, Verbindungen zu schaffen zwischen unterschiedlichen Kulturen, Stilen und musikalischen Welten“.
Seit 2008 wird jedes Jahr von den Landesmusikräten in Deutschland ein Instrument gekürt, um im Rahmen von besonderen Aktionen dessen Bedeutung herauszustellen und Interesse dafür zu wecken.
Selbstwirksamkeit und gemeinschaftliches Erlebens
Dunger-Löper betonte, das Akkordeon stehe beispielhaft für das lebendige Zusammenspiel „von Ausbildung, künstlerischer Professionalität und engagierter Amateurmusik“. Musik eröffne Menschen Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit und des gemeinschaftlichen Erlebens. Laut Landesmusikrat machen fast vier von zehn Berlinerinnen und Berlinern (38 Prozent) in ihrer Freizeit Musik.
Zum Auftakt gibt es den Angaben zufolge am Samstag in Berlin ein Neujahrskonzert mit dem Akkordeonorchester Euphonia im Konzertsaal der Universität der Künste. Am 14. März treten das Landes-Akkordeon-Orchester Berlin und das Bundes-Akkordeon-Orchester in der Philharmonie auf. Ab März startet zudem die Konzertreihe „Einmal um die Welt und zurück“. Geplant sind sechs Konzerte samt Lesungen zur internationalen Akkordeongeschichte. Am 15./16. Mai ist ein Akkordeon Festival im Estrel Berlin geplant. Im Verlauf des restlichen Jahres stehen weitere Events an.
Tragbares Orchester
Das Akkordeon wird auch als „tragbares Orchester“ bezeichnet. Das Instrument hat seit seiner Erfindung Anfang des 19. Jahrhunderts den Klang ganzer Kulturen geprägt, ob im argentinischen Tango, der französischen Musette, in der osteuropäischen Spätmoderne oder im gälischen Liedgut.
Das Akkordeon ist ein sogenanntes Handzuginstrument, bei dem der Ton beim Öffnen oder Schließen eines Balges durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird. Dabei können Einzeltöne und Akkorde erzeugt werden. 1829 hatte sich der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian sein „Accordion“ patentieren lassen.