Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens wirft das Potsdamer Museum Barberini mit seiner Ausstellung „Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk“ einen frischen Blick auf die Kunstepoche. Sie bildet den Grundstock der Sammlung von Museumsgründer Hasso Plattner. In zehn Kapiteln schlägt die Ausstellung den Bogen von den Anfängen der neuen Malweise in den 1860er Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg.
Zehn Meisterwerken stammen aus eigenem Bestand. Sie werden ergänzt durch mehr als 100 hochkarätige Leihgaben aus Privatbesitz wie auch von internationalen öffentlichen Institutionen. Darunter sind allein 61 Arbeiten von Claude Monet (1840-1926). Im Zentrum der Schau stehen die Protagonisten dieser neuen Kunstrichtung sowie das Netzwerk aus Sammlern, Förderern und Kunsthändlern, das zu ihrem Erfolg beigetragen hat.
Quintessenz nach zehn Jahren
Das 2017 eröffnete Museum Barbarini hat sich seit 2017 zu einem Zentrum in der Erforschung des Impressionismus entwickelt. Direktorin Ortrud Westheider argumentiert, die Ausstellung sei eine Quintessenz nach zehn Jahren. Das Vertrauen der Leihgeber, die Freundschaft von Gastkuratorinnen und Kollegen bildeten ein Netzwerk, „wie es die Impressionisten auch hatten“.
Ein frühes Bild von Monet begrüßt die Besucher: Es zeigt den Wald von Fontainebleau. Monet hatte sich um 1860 mit Pierre-August Renoir (1841-1919), Alfred Sisley (1839-1899) und Frédéric Bazille (1841-1870) zusammengetan, um der üblichen Salonmalerei der Zeit das Malen im Freien entgegenzusetzen. Häufig wählten sie dasselbe Motiv und standen sich auch gegenseitig Modell.
Figurengruppen im Freien
„Es war ihnen wichtig zu malen, was sie sehen“, erklärt Kuratorin Sterre Barentsen. „Monet etwa hat begonnen, ganze Figurengruppen im Freien zu malen und nicht, wie sonst, im Atelier zu vollenden.“ Mit der unterschiedlichen Wiedergabe von Licht und Atmosphäre inspirierten sich die Maler untereinander. Sie teilten ihre Ateliers und kauften gegenseitig auch Arbeiten an. Das Schlüsselbild aus der Sammlung Plattner ist Renoirs „Waldweg“ (1874), das mit seinen aufgelösten Konturen, Farbtupfern und violetten Schatten die Entwicklung eines eigenen Stils an diesem Motiv zeigt.
Ein Kapitel der Ausstellung ist der Malerin Berthe Morisot (1841-1895) gewidmet, die mit Manets Bruder Eugène verheiratet war. Sie stand nicht nur ihrem Schwager Édouard Manet (1832-1883) unzählige Male Modell, sondern nahm 1874 mit einer Arbeit an der ersten, von den Künstlern selbst organisierten Ausstellung teil. In der Potsdamer Schau ist sie unter anderem mit dem Bild „Das Dampfschiff“ (1875) vertreten sowie mit „Flußansichten der Themse“, die sie auf einer Englandreise zum Teil vom Boot aus gemalt hatte.
Sammler tragen zu Erfolg bei
Die Ausstellung erzählt auch von Sammlern wie Ernest Hoschedé (1837-1891), der in den frühen Jahren der Bewegung das Risiko einging, Werke von Monet und Manet zu erwerben, die er wegen Bankrotts kurz darauf zu Spottpreisen wieder verkaufen musste. Zu den Frauen als Sammlerinnen, die maßgeblich zum Durchbruch des Impressionismus beitrugen, gehört Bertha Palmer (1849-1918) aus Chicago, die einige Bilder aus der berühmten Getreideschober-Serie von Monet erworben hatte. Damit machte sie die Impressionisten in den USA bekannt und trug zu ihrem Erfolg bei.
Ein weiteres Schlüsselbild aus der Sammlung Plattner, Monets „Palazzo Contarini“, verweist auf die amerikanische Malerin und Mäzenin Winnaretta Singer (1865-1943), die in Paris und Venedig lebte und in deren Salon die internationale künstlerische Avantgarde verkehrte. Sie hatte Monet während seines Venedig-Aufenthaltes 1908 kennengelernt und in ihren Salon eingeladen.
Und schließlich macht die Schau durch die Person des Potsdamer Sammlers Jakob Goldschmidt (1882-1955) auch auf ein dunkles Kapitel der Impressionisten-Rezeption aufmerksam. Der jüdische Bankier hatte in den 1920er Jahren zahlreiche Werke für seine Villa am Griebnitzsee angekauft. Im Nationalsozialismus verfolgt, emigrierte er 1933 in die Schweiz und später in die USA und konnte nur einen Teil seiner Sammlung retten. Der andere Teil wurde versteigert und in alle Welt verstreut.