Propst oder Pröpstin
Ein theologisches Leitungsamt in Berlin soll neu besetzt werden
Berlin (epd).

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will ein geistliches Leitungsamt neu besetzen. Die drei Kandidierenden für das Amt der Pröpstin oder des Propstes, Cornelia Kulawik, Johannes Krug und Lars Charbonnier, wollen sich am Freitag in Berlin im Kirchenparlament vorstellen. Gewählt wird am Samstag. Die bisherige Pröpstin Christina-Maria Bammel, die seit 2019 im Amt war, wird ab Mai neue Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Pröpstin oder Propst sind insbesondere für die theologische Leitung des Konsistoriums, der Kirchenverwaltung, zuständig und gehören auch der Kirchenleitung an. Die Amtszeit beträgt zehn Jahre. Alle drei Kandidierenden wurden an verschiedenen Universitäten zu theologischen Fragen promoviert.

Kirche als Ort der Freiheit

Cornelia Kulawik ist in der DDR aufgewachsen und hat die Kirche dort als Ort der Freiheit inmitten staatlicher Zwänge erlebt, wie sie es einmal beschrieben hat. Die 56-Jährige wurde 1969 in Halle an der Saale geboren, ihre Jugend hat sie in Leipzig verbracht. Weil sie vom Abitur ausgeschlossen wurde, schlug sie einen kirchlichen Bildungsweg ein. 1988 begann sie in Leipzig ihr Theologiestudium, nach dem Ende der DDR schloss sie es 1995 in Rostock ab. 2004 folgte die Promotion an der Berliner Humboldt-Universität über eine Schrift aus einem frühchristlichen koptischen Handschriftenfund aus Ägypten.

Im gleichen Jahr übernahm Cornelia Kulawik eine der beiden Pfarrstellen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Westen Berlins, 2015 wechselte sie als Pfarrerin nach Berlin-Dahlem. An der Universität der Künste ist die Theologin zudem seit längerer Zeit im Studiengang Kirchenmusik als Dozentin für Liturgik und Theologie aktiv. Ihre Arbeit verbindet nach Angaben der Landeskirche Gemeindepraxis, wissenschaftliche Reflexion und auch internationale Perspektiven, vor allem mit der Kathedrale im britischen Coventry.

Superintendent für 37.000 Menschen

Johannes Krug ist gebürtiger Niedersachse. Der 56-Jährige wurde 1969 in Hannover geboren, hat dort nach dem Ende der Schulzeit auch seinen Grundwehrdienst absolviert. Nach dem Theologiestudium von 1990 bis 1996 in Heidelberg und Jerusalem wurde er im Jahr 2000 an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit über den Apostel Paulus des Neuen Testaments der Bibel und die paulinische Theologie promoviert. Nach dem Vikariat in Ostfriesland, Loccum und Brüssel wurde er 2003 Pfarrer an der Berliner Marienkirche am Alexanderplatz.

Seit 2012 leitet Johannes Krug als Superintendent den Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf mit knapp 37.000 Protestantinnen und Protestanten in den brandenburgischen Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming und im Berliner Stadtteil Zehlendorf. Er ist unter anderem Lehrbeauftragter der Evangelischen Hochschule Berlin und gehört dem Kuratorium des Sozialunternehmens Evangelisches Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin an. Seine Arbeit verbindet nach Angaben der Landeskirche geistliche Leitung mit strategischen Fragen kirchlicher Entwicklung.

Akademie für Kirche und Diakonie

Auch Lars Charbonnier ist gebürtiger Niedersachse. Der 48-Jährige wurde 1977 in Uelzen geboren und hat Theologie und Soziologie in Bethel, Heidelberg, Nijmegen und Berlin studiert. 2012 wurde er an der Berliner Humboldt-Universität mit einer Arbeit zum Thema „Religion im Alter“ promoviert. Nach mehreren Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter der theologischen Fakultät der Humboldt-Universität wechselte er 2014 als Studienleiter zur Führungsakademie für Kirche und Diakonie.

Seit 2022 leitet Lars Charbonnier als Geschäftsführer die Akademie für Kirche und Diakonie in Berlin. Seine Arbeit verbindet nach Angaben der Landeskirche theologische Reflexion mit Fragen kirchlicher und diakonischer Praxis und der Begleitung von Veränderungsprozessen. Der zertifizierte Systemische Berater und Coach ist auch Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)