Im Rahmen des „Jahres der jüdischen Kultur“ ist im sächsischen Großschirma ein jüdisch-christlicher Mopedgottesdienst gefeiert worden. Im Mittelpunkt stand das Kultfahrzeug „Simson“. Landesrabbiner Zsolt Balla sagte bei der Feier unter freiem Himmel am Sonntag, das Themenjahr-Motto „Tacheles“ stehe dafür, Klartext zu reden und sich zu begegnen. Dazu gehöre auch die Erinnerung an die jüdische Tradition der Region.
Balla rief zu Verantwortung, Mitgefühl und zur Fähigkeit der Vergebung auf. So könne ein Beitrag zu einer besseren Gesellschaft geleistet werden, sagte er. Sachsens Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU) sagte, das Themenjahr sei ein großes Signal der christlich-jüdischen Verbundenheit. Wichtig sei, Gemeinsames zu betonen, statt Distanz aufzubauen.
„Bikergebet“ und „Motorradpsalm“
Der Mopedgottesdienst stand unter dem Titel „Zwei Takte für ein Halleluja“. An der Feier mit „Bikergebet“ und „Motorradpsalm“ nahmen auch zahlreiche Gläubige mit ihren „Simson“-Fahrzeugen teil. Pfarrer Justus Geilhufe sagte, Ausgangspunkt der schon längeren Tradition der „Simson“-Gottesdienste sei gewesen, jungen Menschen ein besonderes Angebot zu machen. Der katholische Pfarrer Roman Neumüll sagte, die biblische Persönlichkeit Simson stehe dafür, im Glauben Orientierung und Antrieb zu finden.
Im Fokus des Gottesdienstes standen Mopeds der Simson-Werke in Suhl, die 1856 von den jüdischen Brüdern und Unternehmern Löb Simson (1806-1862) und Moses Simson (1808-1868) gegründet wurden. Während der NS-Zeit wurde die Familie enteignet und vertrieben, in der DDR wurde das Simson-Unternehmen verstaatlicht.