Dem Himmel ein Stück näher
Viele Altmark-Kirchen haben noch ihre mittelalterliche Ausstattung
Stendal (epd).

Etwa die Hälfte der rund 500 Kirchen und Klöster in der ländlich geprägten Altmark stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Oftmals ist die Ausstattung noch original aus dem Mittelalter. Jetzt ist die Dokumentation der Inneneinrichtungen abgeschlossen, wie Diana Seeber-Grundmann, zuständig für die Kunstguterfassung im Auftrag der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte.

Laut Bettina Seyderhelm, Kunstreferentin der EKM, verfügen etwa 60 dieser Gotteshäuser noch über historische Wandmalereien. Biblische Szenen und Alltagsmotive, aber auch Ranken und kleine Kreuze schmücken die verputzten Wände. Vielfach sind die Farben verblasst, manche Details fehlen. Doch einige Darstellungen sind überraschend farbig und detailreich.

Besonders gut erhalten seien die Malereien in der Stendaler Jacobikirche, sagt Seyderhelm. Sie zeigten eine überlebensgroße Darstellung von Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter wie auch ein figurenreiches Bild des Jüngsten Gerichtes mit Christus auf einem Regenbogen thronend. Im Zusammenspiel mit der reichen Holzschnitzerei der gotischen Chorschranke und dem figurenreichen Schmuck des Altaraufsatzes aus Sandstein sei so ein Gesamtkunstwerk entstanden, dass die Gläubigen dem Himmel ein Stück näher bringen sollte.

Überraschend reiche Kulturgüter

Auch wenn nur ein kleinerer Teil der Kapellen und Kirchen der Altmark über eine so reiche Ausstattung und Ausmalung verfügen wie St. Jacobi, ist die Überraschung der Besucher gerade bei kleineren Dorfkirchen groß. So zeigt etwa die Feldsteinkirche in Dahrendorf wandfüllende Bilder mit der Passionsgeschichte, darunter der Einzug in Jerusalem, das letzte Abendmahl und Jesu Auferstehung.

In den zurückliegenden beiden Jahren haben Seeber-Grundmann und sechs sogenannte Erfasser die Inventarisierung der verbleibenden hundert Gotteshäuser in den Kirchenkreisen Stendal und Salzwedel mit ihren Kunstgütern, Einbauten und Bemalungen abgeschlossen. Dazu zählten liturgische Objekte wie Abendmahlskelche, aber auch Taufbecken und Altäre, Kanzeln, Emporen, liturgische Textilien wie Paramente und Antependien, Kerzenständer und andere Kunstgüter. In manchen Kirchen seien so bis zu 200 Kulturgüter erfasst worden.

Inventare bestätigen lange Nutzung

Die Kunstgüter wurden fotografiert und detailliert beschrieben, einschließlich aller Maße und Inschriften. „Dazu wurden auch alte Kirchenbücher, Altinventare und Schriftwechsel gesichtet“, sagt Seeber-Grundmann. Ebenso erfolgte der Abgleich mit bekannten Beschreibungen in der Literatur: „Aber auch die Beratung der Gemeinden und Kirchenkreise zur sachgerechten Pflege und zum Schutz der Kulturgüter haben wir übernommen.“

Während andernorts mit der Reformationszeit eine regelrechte Bilderstürmerei eingesetzt habe, blieben in den meisten Altmark-Kirchen viele der mittelalterlichen Ausstattungen erhalten. Und wenn man bisweilen mit den Wandmalereien gefremdelt habe, dann wurden diese oft nur übertüncht und konnten von den Restauratoren in den vergangenen Jahren häufig gerettet werden. „Ich finde es schön, wie viele Dinge über Jahrhunderte im kirchlichen Gebrauch geblieben sind und bewahrt wurden“, sagt Kunstreferentin Seyderhelm.

Von Thomas Nawrath (epd)