Berliner Gedächtniskirche: Sanierung startet im September
Berlin (epd).

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin soll ab September umgebaut und restauriert werden. Im Zuge der auf rund zwei Jahre angelegten Arbeiten an dem Gebäude-Ensemble werden auch die ikonischen blauen Glassfassaden erneuert, wie die Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Donnerstag mitteilte. Die Kosten liegen den Angaben zufolge bei rund 44 Millionen Euro.

Finanziert werde das Projekt durch Spenden, Stiftungen, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie 17,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sagte bei der Vorstellung der Pläne für das Ensemble, es sei ein herausragend besonderer Ort, „das vielleicht bedeutendste Friedensmahnmal der Welt“ und damit auch ein Herzstück der Erinnerungskultur. Die Gedächtniskirche solle als Raum der Begegnung und des Innehaltens erhalten bleibe.

Zuerst schließt die Gedenkhalle

Die Kirche im Stadtteil Charlottenburg zählt zu den wichtigsten Wahrzeichen Berlins. Während das Kirchenschiff 1943 bei Luftangriffen schwer beschädigt und nach dem Krieg abgerissen wurde, blieb die Turmruine als Mahnmal stehen. In den 50er Jahren kam ein Bauensemble des Architekten Egon Eiermann (1904-1970) hinzu. Nun müssen fast alle Teile saniert werden. Zunächst werde dafür die Gedenkhalle schließen, später weitere Gebäude, hieß es.

Besonders aufwendig sei die Instandsetzung der Glasfassaden, die für das charakteristische blaue Leuchten der Kirche und des Glockenturms verantwortlich sind, hieß es. Viele davon seien über die Jahre durch Korrosion beschädigt worden. Jedes der mehr als 10.000 Glasfenster müsse einzeln ausgebaut und von Hand restauriert werden. Auch die das Glas einrahmenden Betonwaben seien in einem schlechten Zustand und müssten vielfach ersetzt werden. Bereits 2013 wurde der Glockenturm mit einem Gerüst umgeben, um Passanten vor abbröckelnden Betonteilen zu schützen.

Besuch der Ausstellung wird kostenpflichtig

Auch in der Kirche sollen unter anderem die Gebäudetechnik und die sanitären Anlagen erneuert werden. Zudem ist modernes Brandschutzsystem geplant. Die rund 2.000 Mitglieder zählende Gemeinde weiche in dieser Zeit auf die bereits renovierte Kapelle aus, hieß es. Zu hohen christlichen Feiertagen soll die Kirche aber nach Möglichkeit für Gottesdienste und Orgelkonzerte geöffnet werden.

Erstmals werden im Zuge der Umbauarbeiten die oberen Teile der historischen Turmruine zugänglich gemacht. Dafür sind ein Fahrstuhl und eine neue Treppe geplant. Das in der Nachkriegszeit nachgerüstete Flachdach werde geöffnet, hieß es. Zudem werde die Ausstellung in der Ruine umgebaut. Deren Besuch soll künftig Eintritt kosten.

Teil der Förderbedingungen sei gewesen, dass sich die Einrichtung nach der Renovierung weitestgehend selbstständig wirtschaftlich tragen könne, sagte der Stiftungsvorstand und Berliner Staatssekretär für Mobilität, Arne Herz (CDU): „Die Kirche an sich wird selbstverständlich immer frei benutzbar sein.“ Noch offen ist die Finanzierung der Sanierung des Foyer-Gebäudes, das derzeit das Center for Contemporary Arts beherbergt. Für die Umgestaltung werden weiterhin Spenden gesammelt.

Von Joris Ufer (epd)