Für Strukturreformen in der sächsischen Landeskirche angesichts schwindender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen liegen jetzt erste konkrete Empfehlungen und Vorschläge vor. So soll die Zahl der Kirchenbezirke mittelfristig von derzeit 16 auf fünf bis sieben reduziert werden, heißt es in dem am Freitag in Dresden veröffentlichten Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Kirche im Wandel“ im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.
Vorgeschlagen wird zudem, aus bisherigen Kirchspielen oder Kirchgemeindebünden mittelfristig 40 bis 50 Regionalkirchgemeinden zu bilden. Auf diese Weise könnten örtliche Profile gestärkt und überschaubare Verantwortungsräume erhalten werden, heißt es.
Weniger Verwaltung für Pfarrerinnen und Pfarrer
Die Regionalkirchgemeinden sollen jeweils eine zentrale Verwaltung in einem zentralen, gut erreichbaren Ort bekommen, die durch eine hauptamtliche, qualifizierte Verwaltungsperson geleitet wird. Damit sollen Pfarrerinnen und Pfarrer deutlich von Verwaltungsvorgängen entlastet werden. Die Gesamtleitung obliegt aber weiterhin der Pfarramtsleitung.
Auch die Verwaltung von Kitas oder Friedhöfen in Trägerschaft der Kirchgemeinden soll innerhalb der Regionalkirchgemeinden gebündelt werden, auch um sie zu professionalisieren. Die Trägerverantwortung für Kitas und Friedhöfe sei für viele Kirchgemeinden zu einer wachsenden und zunehmend schwieriger werdenden Herausforderung geworden, heißt es.
Mehr Ehrenamtliche einsetzen
Beim Personal soll künftig stärker auf Ehrenamtliche gesetzt werden, etwa in der Arbeit mit Kindern, in der Jugendarbeit, in der Seelsorge, in der Kirchenmusik, als Kuratorinnen und Kuratoren für Kirchengebäude, aber auch im Verkündigungsdienst. Die Begleitung, Qualifikation und Einbindung Ehrenamtlicher soll zu einem Kernauftrag gemacht werden.
Regionalkirchgemeinden sollen zudem die Möglichkeit erhalten, selbstfinanzierte Pfarrreferentenstellen zur Ergänzung ihrer Arbeit einzurichten. Dafür solle ein verbindlicher Rahmen für die Wahrnehmung nebenamtlicher, teilpfarramtlicher Aufgaben geschaffen werden, heißt es.
Weniger Mittel befördern Kulturwandel
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, sagte bei der Übergabe des Berichts am Freitag, es liege nun ein Orientierungsrahmen vor, „wie wir als Landeskirche auch künftig handlungsfähig sein können“. Landesbischof Tobias Bilz nannte den Abschlussbericht einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer soliden Arbeitsstruktur der Landeskirche. „Ich bin zuversichtlich, dass geringer werdende Mittel einen Kulturwandel befördern und Freiräume für geistliche Aufbrüche entstehen werden“, sagte Bilz.
Über die Vorschläge will die Landessynode auf einer Sondertagung am 6. und 7. März beraten. Ziel sei es, bis zur regulären Herbstsitzung im November bereits konkrete Schritte und deren Machbarkeit zu prüfen, sagte Synodenpräsidentin Bettina Westfeld.
Ein Drittel weniger Geld bis 2035
Die sächsische Landeskirche hatte Ende 2024 rund 575.000 Mitglieder. Das waren etwa ein Viertel weniger als 15 Jahre zuvor. Prognosen gehen von weiteren Rückgängen und weniger Finanzmitteln aus. So muss die Landeskirche bis 2035 mit etwa einem Drittel weniger Geld auskommen.