Die Menschen in Sachsen haben Sorge um ihren Arbeitsplatz, ihre Rente und ihre soziale Sicherheit. Das ist ein Ergebnis des neuen „Sachsen-Monitors“, der am Dienstag in Dresden vorgestellt wurde. Demnach ging die Zufriedenheit mit der sozialen Absicherung um 11 Prozentpunkte auf 57 Prozent zurück, die mit der ärztlichen Versorgung um 7 Prozentpunkte auf 62 Prozent.
72 Prozent der Befragten der repräsentativen Umfrage haben Sorgen, dass ihre Rente zum Leben nicht ausreicht (plus 9 Prozentpunkte). Gut ein Viertel befürchtet, dass der Arbeitsplatz verloren gehen könnte, ein Zuwachs von zehn Prozentpunkten. Außerdem bewegt sich die Zufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten mit 25 Prozent auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie bei der vergangenen Befragung 2023.
Sachsens Staatskanzleichef Andreas Handschuh (parteilos) führt die Unzufriedenheit in der Bevölkerung auf immer noch ausstehende bundesweite soziale Reformen zurück. Zugleich betonte er: „Die wirtschaftliche Entwicklung und der Strukturwandel bleiben große Herausforderungen.“
Weniger gruppenbezogene Ressentiments
Für den aktuellen „Sachsen-Monitor“ hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos von März bis Juni dieses Jahres 2.031 zufällig ausgewählte Menschen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Sachsen persönlich befragt. Die größten Sorgen bereiten der Bevölkerung demnach, dass es zu mehr Kriegen und militärischen Konflikten kommen könnte (83 Prozent), dass die Gegensätze zwischen Arm und Reich zunehmen (80 Prozent) und dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht (73 Prozent).
Parallel dazu sind nationalistische und ausgrenzende Einstellungen in Sachsen weiterhin verbreitet, allerdings sind laut der aktuellen Umfrage gruppenbezogene Ressentiments zurückgegangen. Dennoch finden 60 Prozent der Sächsinnen und Sachsen, dass die Bundesrepublik von den „vielen Ausländern in einem gefährlichen Maß überfremdet“ ist. Die Zustimmung zu dieser Aussage ging im Vergleich zu 2023 um vier Prozentpunkte zurück.
Skepsis mit Blick auf Wirtschaft
Robert Grimm von Ipsos Deutschland sagte bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse: Auffällig sei „eine wachsende Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens und eine deutliche Unzufriedenheit mit der Umsetzung demokratischer Politik“. Tatsächlich sind nur 48 Prozent der Befragten mit der Art und Weise, wie Demokratie in Sachsen funktioniert, zufrieden. Der sächsischen Landesregierung vertrauen 44 Prozent, dem sächsischen Landtag 43 Prozent, dem Bundestag 28 Prozent und den Medien 27 Prozent.
Insgesamt sehen - wie schon 2023 - knapp zwei Drittel der Sächsinnen und Sachsen ihrer persönlichen Zukunft eher optimistisch entgegen. Fast die Hälfte der Befragten sieht die Zukunft Sachsens positiv (2023: 55 Prozent). Ein Großteil der sächsischen Bevölkerung fühlt sich am eigenen Wohnort wohl und sicher.
Wenig Vertrauen in Kirchen
Das größte Vertrauen haben die Menschen in Sachsen in Wissenschaftler und in die Polizei (jeweils 72 Prozent), in das Bundesverfassungsgericht (63 Prozent) und in Gerichte (62 Prozent) sowie in Gewerkschaften (55 Prozent). Den Kirchen vertrauen nur 27 Prozent, allerdings wuchs das Vertrauen im Vergleich zu 2023 um 7 Prozentpunkte.