Sachsen-Anhalt: Fast 20 Prozent mehr Extremisten
Magdeburg (epd).

Die Zahl extremistischer Personen in Sachsen-Anhalt hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut Verfassungsschutzbericht 2025 gab es einen Zuwachs um 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nun rund 7.310 Personen (2024: 6.120), wie Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) am Dienstag in Magdeburg erklärte. Dies sei insbesondere auf einen Anstieg im Bereich Rechtsextremismus zurückzuführen. Rund 70 Prozent des gesamten extremistischen Personenpotenzials entfielen auf diesen Bereich - bei steigender Tendenz.

„Es ist alarmierend, dass die extremistischen Ränder der Gesellschaft wachsen und sich immer mehr Menschen Gruppen zuwenden, welche die Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen treten“, sagte Zieschang. Diesem Trend entgegenzuwirken, bleibe eine vordringliche gesellschaftliche Aufgabe.

Rechtsextremismus bleibt größte Herausforderung

So stieg die Zahl der Rechtsextremisten im Jahr 2025 auf rund 5.100 Personen (2024: 4.000), was einer Zunahme um 27,5 Prozent entspricht. „Der Rechtsextremismus stellt weiterhin die größte Herausforderung für unsere Demokratie dar“, sagte die Ministerin. Unter den Rechtsextremisten machten Mitglieder der AfD mit rund 3.500 Personen den größten Teil aus - fast 1.000 mehr als im Jahr 2024. Eine Deradikalisierung der Partei sei nicht zu beobachten, sagte der Leiter des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt, Jochen Hollmann.

Der Bericht spricht zudem von einem Anstieg der linksextremistischen Szene um 13 Prozent auf rund 770 Personen. Den Anstieg führte der Verfassungsschutz hauptsächlich „auf Rekrutierungserfolge der linksextremistischen Szene vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtsextremistischer Parteien und Jugendbewegungen sowie der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten“ zurück. Zu beobachten sei jedoch ein Strukturwandel: Während die Mitglieder von autonomen Gruppen zurückgingen, erstarkten kommunistische Jugend- und Kadergruppen.

Reichsbürger trotz Verbot nicht geschwächt

Die Reichsbürgerszene werde mehrheitlich von Einzelpersonen und Kleingruppen geprägt und umfasste 2025 unverändert rund 700 Personen, hieß es. Nach dem im Mai 2025 erfolgten Verbot der Gruppe „Königreich Deutschland“ im Raum Wittenberg war die Gruppe „Gemeine Südharz“ die aktivste Gruppe im Bundesland.

Auf dem hohen Vorjahresniveau sei ebenfalls die islamistische Szene verblieben. Sie wird mit rund 400 Personen angegeben. Jedoch sei die Gefahr, die von radikalisierten Einzelpersonen ausgehe, nach wie vor hoch, sagte Hollmann. Das habe im Dezember der Fall eines 21-jährigen Tadschiken gezeigt, der wegen intensiver Kontakt zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ und seiner Bereitschaft zu einem dschihadistisch motivierten Anschlag in Magdeburg verhaftet worden war. Am 3. Januar sei er kontrolliert in sein Heimatland ausgereist.

Desinformation und hybride Bedrohungen vor der Landtagswahl

Zudem stellte die hybride Einflussnahme fremder Staaten eine Herausforderung für die öffentliche Sicherheit dar, etwa vor der Bundestagswahl 2025. Mit Blick auf die Landtagswahl im September geht der Verfassungsschutz davon aus, „dass Desinformationskampagnen zunehmen werden“, sagte Verfassungsschützer Hollmann. Aufgabe sei es, diese Bestrebungen aufzuklären und frühzeitig vor ihnen zu warnen.

Von Thomas Nawrath (epd)