Mendel: Antisemitismusvorwurf gegen Linke teils instrumentalisiert
Berlin, Frankfurt a. M. (epd).

Meron Mendel hat die ersten 25 Jahre seines Lebens in Israel gelebt und ist in einem Kibbuz in der Wüste aufgewachsen. Der Publizist und Historiker erklärt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), wo für ihn die Linien zwischen Kritik an der Linken und Diffamierung der Partei verlaufen und in welcher Tradition der Antisemitismus der radikalen Linken steht.

epd: Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin hält eine Diskussion über Antisemitismus in den Reihen der Partei an. Ist diese Kritik berechtigt oder wird die Debatte gerade überzeichnet?

Meron Mendel: Teile der Kritik sind berechtigt, teilweise sehe ich aber auch Instrumentalisierungsversuche. Der Aufruf zum Tod von Soldaten der israelischen Streitkräfte auf einer Wahlveranstaltung, die Rufe auch in sozialen Medien zum Auslöschen des Staates Israel, die Erklärung einer linken Kommunalpolitikerin, dass die Befreiung Palästinas in Tel Aviv endet: Bei diesen Beispielen ist die Kritik an den Äußerungen und das Verlangen, dass die Linkspartei hier eine klare Kante zeigt, nachvollziehbar und berechtigt.

epd: Wo schießt die Kritik über das Ziel hinaus?

Mendel: Wir erleben in den letzten Tagen sehr massive Instrumentalisierungsversuche des Antisemitismusvorwurfs, um bestimmte politische Interessen durchzusetzen. Dazu gehören Äußerungen wie die von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und anderen Politikern, vor allem von der CDU. Wenn erklärt wird, die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp darf nicht Regierende Bürgermeisterin werden, weil dann alle Jüdinnen und Juden in der Stadt Angst haben, geht das zu weit. Das ist keine Kritik bestimmter Ereignisse mehr, sondern eine Diffamierung einer gesamten Partei.

Kritik bei den Linken „zu einem bestimmten Grad“ angekommen

Antisemitismus Teil der DNA der radikalen Linken

epd-Gespräch: Jonas Grimm