"Jüdische Allgemeine" depubliziert zwei Casdorff-Gastbeiträge
Berlin (epd).

Die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ nimmt zwei Gastbeiträge von Stephan-Andreas Casdorff, Editor-at-Large beim „Tagesspiegel“, wieder offline. Betroffenen seien die Texte „Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?“, erschienen am 26. Mai und „Merz und Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit“, erschienen am 22. März dieses Jahres, teilte die Zeitung am Montag in Berlin mit.

Vergangenen Freitag hatte der „Tagesspiegel“ bekannt gemacht, dass Casdorff mehrfach Meinungstexte für die Zeitung mit Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben habe. Der frühere Chefredakteur des Blattes darf deshalb bis auf Weiteres für den „Tagesspiegel“ nicht mehr publizistisch aktiv sein. Die besagten Texte wurden depubliziert. Er selbst sprach laut „Tagesspiegel“ von einem „Riesenfehler“.

Texte mit KI-Detektor überprüft

Zwischen Januar 2024 und Mai 2026 habe Casdorff auch in der „Jüdischen Allgemeinen“ vier Texte veröffentlicht, so die Wochenzeitung. Diese seien jetzt mit dem KI-Detektor „Pangram“ überprüft worden. Während die beiden früheren Texte keinerlei Auffälligkeiten zeigten, seien die beiden späteren laut der selbst auf KI-Technologie basierenden „Pangram“-Software sehr wahrscheinlich mit einer KI verfasst worden, heißt es. Die Redaktion der „Jüdischen Allgemeinen“ habe sich daher entschieden, die beiden Beiträge von Casdorff zu depublizieren. Die Wochenzeitung habe zudem bisher vergeblich versucht, Casdorff zu erreichen.