Gedenkstättenleiterin: Holocaust definiert Gesellschaft bis heute
Berlin (epd).

Die Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Deborah Hartmann, sieht einen Zusammenhang zwischen dem heutigen Antisemitismus in Deutschland und der Zeit des Nationalsozialismus. „Vieles, was wir heute an antisemitischen Haltungen wiederfinden, bezieht sich auf die Schoah“, sagte Hartmann der „Berliner Morgenpost“ (Montag): „Wenn wir uns die Kontinuitäten nach 1945 anschauen, ist der Antisemitismus danach nicht einfach verschwunden. Den gab und gibt es nach wie vor.“

Dies allein sei schon „ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht ausreichend mit dem Holocaust beschäftigt haben“, sagte Hartmann weiter. Deshalb sei die Erinnerung an den Holocaust auch 80 Jahre später kein abgeschlossener Prozess. „Das ist nicht einfach ein Stück Vergangenheit, sondern etwas, das die deutsche Gesellschaft bis heute sehr stark definiert“, sagte die Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte.

Wannsee-Konferenz dauerte 90 Minuten

Zum 84. Jahrestag der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 lädt die Gedenkstätte zu einer Diskussionsveranstaltung über deutsche Erinnerungskultur und israelische Perspektiven auf das Gedenken an die Schoah ein.

Die Wannsee-Konferenz gilt als wichtige Etappe in der Vernichtung des europäischen Judentums durch die Nationalsozialisten. In der nur 90 Minuten dauernden Besprechung wurde die Leitungsebene des gesamten NS-Staatsapparates in die Vorbereitung des Holocausts eingebunden. An der Besprechung nahmen Vertreter von SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien teil.