Am 85. Jahrestag des Beginns der NS-Deportationen der Berliner Jüdinnen und Juden ist mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Daran nahm am Sonntag am Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald auch der Botschafter des Staates Israel, Ron Prosor, teil. Prosor erklärte, die Antwort auf die Vernichtung jüdischen Lebens „darf niemals Schweigen sein, sie muss das Leben sein“.
Die Deportationen hätten mitten in der Gesellschaft begonnen, „mit Ausgrenzung, Hass und Schweigen“, betonte der Botschafter. Heute gelte, dass Erinnern auch Handeln bedeute. Meinungsfreiheit bedeute nicht „Aufhetzungsfreiheit“. Es seien eine konsequente Strafverfolgung und wirksame Gesetze gegen Antisemitismus nötig.
Antisemitismus konsequent entgegentreten
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte vorab erklärt, der 18. Oktober 1941 markiere den Beginn der systematischen Verfolgung, die schließlich in der Schoah endete. Der Berliner Senat dulde „keinen Antisemitismus, Hass oder Gewalt gegen Jüdinnen und Juden“. Es bleibe Aufgabe von allen, „Antisemitismus konsequent entgegenzutreten, unabhängig davon, aus welcher Richtung er kommt und wo er stattfindet“.
Vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald wurden ab Herbst 1941 rund 10.000 Jüdinnen und Juden aus Berlin in NS-Konzentrationslager deportiert. Die meisten von ihnen wurden ermordet. Der erste sogenannte „Osttransport“ mit rund 1.000 Menschen verließ Berlin am 18. Oktober 1941 und führte ins Ghetto in Lodz im besetzten Polen. Mehr als 30.000 Menschen wurden später vom Güterbahnhof Moabit, knapp 10.000 vom Anhalter Bahnhof aus deportiert.