Deutlicher Anstieg antisemitischer Gewalt in Sachsen-Anhalt
Magdeburg (epd).

Die Zahl antisemitischer Vorfälle ist 2025 in Sachsen-Anhalt erneut angestiegen. Insgesamt wurden 270 Bedrohungen, Sachbeschädigungen und körperliche Gewalt gegen Jüdinnen und Juden registriert. Das war gut ein Drittel mehr als im Vorjahr (202), berichtete die Recherche- und Informationsstelle für Antisemitismus (Rias) am Donnerstag in Magdeburg. Im Schnitt seien der Meldestelle somit fünf antisemitische Vorfälle pro Woche bekanntgeworden.

Das seit zweieinhalb Jahren andauernde hohe Niveau antisemitischer Vorfälle beeinträchtige „das Sicherheitsgefühl vieler Jüdinnen und Juden immens und beeinflusst ihren Umgang mit der eigenen jüdischen Identität nachhaltig“, hieß es. So scheuten sich immer mehr Juden, in der Öffentlichkeit durch das Tragen von Davidstern oder Kippa als Gläubige erkennbar zu sein.

Nahostkrieg als Katalysator für Antisemitismus

„Antisemitismus hat viele Gesichter - doch keins ist harmlos. Die aktuellen Zahlen zeigen eine alarmierende Enthemmung, auch in Sachsen-Anhalt“, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Inessa Myslitska. Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Wolfgang Schneiß, fügte an: „Die antisemitischen Vorfälle sind Beweise für Menschenverachtung, für Lüge, Leugnung und Hass.“ Niemals dürfte man sich daran gewöhnen.

Mehr als verdoppelt hätten sich antisemitische Vorfälle mit direktem Bezug zum Krieg im Nahen Osten: Ihre Zahl sei im Jahresverlauf von 52 auf 111 angestiegen. Dabei wurde tatsächliches oder vermeintliches Handeln des Staates Israel wiederholt zum Anlass genommen, um Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt anzufeinden oder anzugreifen.