Die Bundesstiftung Aufarbeitung will ab diesem Jahr verstärkt Projekte zu deutsch-deutschen Entwicklungen seit der Wiedervereinigung fördern. Der neue Schwerpunkt bis 2030 liege auf „Geteilte Geschichte - Gemeinsame Gegenwart“, wie Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky am Dienstag in Berlin sagte. Zudem soll in diesem Jahr an prägende Ereignisse in der Geschichte des Kommunismus erinnert werden.
Den Auftakt macht eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Ausstellung mit dem Titel „Die Partei hat immer recht. Die SED im Alltag der DDR“. Anlass ist die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) durch Zwangsvereinigung von KPD und SPD im April 1946 in der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands. Die aus 20 DIN-A1-Postern bestehende Ausstellung kann ab sofort gegen eine Schutzgebühr von 40 Euro bestellt werden. Es lägen bereits mehr als 100 Vorbestellungen vor, hieß es. Zudem gibt es kostenlos die Druckdateien auf Deutsch und Englisch sowie Unterrichtsmaterial für Schulen.
50 Jahre Ausbürgerung von Wolf Biermann
Im November soll an die Ausbürgerung des DDR-Liedermachers Wolf Biermann vor 50 Jahren erinnert werden. Im August jährt sich der 50. Jahrestag der Selbstverbrennung des DDR-Pfarrers Oskar Brüsewitz. Weitere Jahrestage seien unter anderem der „Große Terror“ unter Josef Stalin (1878-1953) vor 90 Jahren und der Beginn der sogenannten Kulturrevolution in China vor 60 Jahren, betonte Kaminsky. Die Geschichte des Kommunismus sei nie nur eine Geschichte einzelner Staaten gewesen: „Sie war ein weltpolitisches Projekt - mit imperialem Anspruch, ideologischer Mobilisierung und beständiger Gewalt nach innen und außen.“
Die Bundesstiftung Aufarbeitung fördert in diesem Jahr mit insgesamt rund 6,5 Millionen Euro 123 neue und 27 fortlaufende Projekte sowie Stipendien. 70 Vorhaben seien in den ostdeutschen Ländern verortet, 57 in Berlin und 23 im westlichen Bundesgebiet. Inhaltlich geht es von der historischen Aufarbeitung staatlicher Repression im SED-Regime bis zu gesellschaftlichen Entwicklungslinien im vereinten Deutschland.
Digitales Fotoarchiv
In diesem Jahr veröffentlicht die Stiftung Aufarbeitung neben einem weiteren „Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung“, einen „Erklärfilm“ zur neuen Ausstellung und widmet sich in einer Tagung Sinti und Roma in der DDR und im vereinten Deutschland. Das vor einem Jahr gestartete digitale Fotoarchiv der Stiftung umfasst mittlerweile rund 112.000 Bilder. Zudem gibt es rund 200 abrufbare Zeitzeugen-Interviews.
Ausstellung zeigt Mechanismen der Macht
Autor der Ausstellung „Die Partei hat immer recht“ ist der Historiker und DDR-Spezialist Stefan Wolle. Gezeigt werde, wie die SED „im Alltag der DDR gewirkt hat“, sagte Wolle bei der Präsentation. Im Mittelpunkt stünden die „Mechanismen der Herrschaft“, wie ideologische Schulungen, Kontrolle, Repression und „das ständige Einfordern von Loyalität“. Zugleich würden die Widersprüche des Lebens in der Diktatur thematisiert.
„Mit dem Ende ihres Regimes schrumpfte die SED von 2,3 Millionen bis Juni 1990 auf 350.000 Mitglieder“, heißt es in dem Begleitband. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die offizielle Hymne der SED ab 1950.