Fachleute drängen auf systematische Erfassung von Behandlungsfehlern
Hamburg (epd).

Der Medizinische Dienst Nord der gesetzlichen Krankenkassen fordert eine zentrale Erfassung besonders schwerwiegender Behandlungsfehler und deren systematische Auswertung. Er habe im vergangenen Jahr 2.950 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler in Hamburg und Schleswig-Holstein geprüft, teilte der Medizinische Dienst Nord mit. In 879 Fällen seien Sachverständigengutachten erstellt worden. Bei 215 Gutachten (24,5 Prozent) habe sowohl ein Behandlungsfehler als auch ein gesundheitlicher Schaden vorgelegen.

In 20,5 Prozent aller Gutachten habe nachgewiesen werden können, dass der Behandlungsfehler den Gesundheitsschaden verursacht hat. Die Erhebung ist nicht repräsentativ. „Für mehr Patientensicherheit brauchen wir mehr Licht im Dunkelfeld. Denn unser Lagebild bleibt zwangsläufig unvollständig - weil Behandlungsfehler nicht zentral erfasst werden und Patientinnen und Patienten vor allem solche Fehler melden, die für sie erkennbar sind“, erklärte Andreas Krokotsch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Nord.

Größter Anteil entfiel auf Pflegefehler

Er forderte „einen anonymen und sanktionsfreien Meldemechanismus bei besonders schwerwiegenden Behandlungsfehlern wie Patienten-, Seiten- oder Medikamentenverwechslungen“. Nur wenn im Gesundheitswesen systematisch aus Fehlern gelernt werde, könne verhindert werden, dass sie sich wiederholen.

Unter den festgestellten Behandlungsfehlern entfiel der größte Anteil den Angaben zufolge auf Pflegefehler mit 22,2 Prozent. Es folgten Orthopädie und Unfallchirurgie mit 17,6 Prozent, die Zahnmedizin mit 8,4 Prozent sowie die Frauenheilkunde mit 7,9 Prozent.

Die 15 Medizinischen Dienste legten bundesweit für das Jahr 2025 insgesamt 11.735 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern vor. In 2.700 Fällen (23 Prozent) konnte nachgewiesen werden, dass ein Behandlungsfehler einen gesundheitlichen Schaden verursacht hatte.