Soziologe Vogel zur WM: "Fußball verbindet, weil er polarisiert"
s:25:"Soziologe zur Fussball-WM";
Soziologe zur Fussball-WM
Göttingen (epd).

Der Göttinger Soziologieprofessor Berthold Vogel sieht im Fußball noch immer die globale Sportart schlechthin. Sie habe sich trotz korrupter Sponsoren und fragwürdiger Geschäftspraktiken auch der FIFA als resilient erwiesen, sagte Vogel im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Geschäftsführende Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen begrüßte deshalb auch die erweiterte Zahl teilnehmender Länder. Zugleich kritisierte Vogel den deutschen Bundestrainer und hält eine Neuauflage des Sommermärchens von 2006 für unwahrscheinlich.

epd: Die jüngsten Fußball-Großereignisse waren aus deutscher Sicht nicht sehr erfolgreich. Auch schien der Funke der Begeisterung, sofern er denn in den Stadien spürbar war, nicht so recht auf die Bevölkerung in Deutschland überzuspringen. Woran könnte das aus Ihrer Sicht liegen?

Berthold Vogel: Die vergangenen zwei Weltmeisterschaften blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, während die Heim-EM im vorletzten Jahr durchaus gut lief. Dort wurden Erwartungen geweckt, auch vom aktuellen Bundestrainer Julian Nagelmann, die nicht erfüllt werden konnten. Mit Verlaub: Der Bundestrainer erinnert an den aktuellen Bundeskanzler Friedrich Merz - viele Versprechungen, teils auch große Töne, aber bislang wenig Ertrag. Das Misstrauen in die Nationalmannschaft ist ähnlich hoch wie das Misstrauen in die Regierung.

Und dann werden noch die eigenen Leute wie im Falle des Torwarts Oliver Baumann oder des sehr beliebten Stürmers Deniz Undav vor laufenden Kameras brüskiert. Kurzum, dass der Funke nicht überspringt, liegt auch an der Führung der Nationalmannschaft. Aber wir wissen ja, das kann sich schnell ändern.

Begeisterung für tolle Tore

In der Öffentlichkeit brüskiert

epd-Gespräch: Martina Schwager