Graffiti sprühen: Legal statt illegal
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Graffiti sprühen: Legal statt illegal
Jugendkulturkirche in Frankfurt bietet Workshop für Sprayer an

Graffiti gilt oft als Sachbeschädigung - für viele Sprayer aber auch als Kunst und politischer Ausdruck. Ein Workshop in Frankfurt sensibilisiert Jugendliche im Umgang mit der Spraydose.

Frankfurt am Main (epd). „Dosenkunde!“ Marc Lapp ruft die Teilnehmer des Streetart-Workshops zu sich. Vor der evangelischen Jugendkulturkirche Sankt Peter in der Frankfurter Innenstadt stehen mit Planen überzogene Bauzäune. Die Jugendlichen sollen sie mit eigenen bunten Motiven besprühen.

Bevor die Jugendlichen ihre Skizzen auf die Plane bringen können, führt Lapp die Gruppe in die Technik des Sprayens ein. Er erklärt ihnen unter anderem die Funktionsweise verschieden breiter Dosenaufsätze.

Gemeinsam mit Luca Nolting bietet Lapp zweimal im Jahr den Sprühkunst-Workshop mit einem klaren Ziel an: „Wir wollen nicht, dass hier irgendwelche Halbstarken herkommen, um sich zeigen zu lassen, wie das funktioniert und danach ganz Frankfurt anmalen“, erklärt Nolting, der selbst über einen Workshop in der Schule zum Sprayen kam. Die Teilnehmenden sollten stattdessen mit einem Bewusstsein auch für ihr Umfeld und die Stadt rausgehen und sagen, wir kriegen hier ein Medium an die Hand, womit wir Kunst erschaffen können."

„Tags“ haben nichts mit Kunst zu tun

Ein Graffiti gelte gemäß Paragraf 303 II des Strafgesetzbuches als Sachbeschädigung, „sobald das Erscheinungsbild einer Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird“, teilt die Frankfurter Polizei dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Das Ansprühen von Flächen sei lediglich nach der Zustimmung des Eigentümers legal oder aber, wenn eine Fläche grundsätzlich für diese Zwecke freigegeben sei.

Ob auf Stromkästen, an Brücken oder Rolltreppen - an vielen Stellen in der Stadt finden sich neben künstlerisch anspruchsvollen Sprühwerken auch immer wieder „Tags, Kratzereien und Schmierereien“, sagt Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt. Diese Tags, das ist eine Art Signatur des Sprayers, hätten „nichts mit Kunst zu tun. Das entspricht eher dem Markieren wie beim Beinheben eines Hündchens, das sagt: Hier ist mein Revier.“ Oft würden auch denkmalgeschützte Bereiche „nachhaltig zerstört“.

Die Aufgabe ihrer Abteilung sei es, „ganz schnell zu reagieren“, wenn etwa menschenverachtende Sprühereien auftauchten, die übersprüht werden müssten, erläutert Gabriel. Diese müssten zudem zur Anzeige gebracht werden.

Grüne Soße und Apfelwein-Bembel

Das Team von Sauberes Frankfurt hat eine eigene Strategie, mit illegalen Schmierereien umzugehen. In der Nähe der Frankfurter Kleinmarkthalle in der Innenstadt habe es einen wenig einladenden Bereich „mit einem wilden Konglomerat von Tags, Schmierereien, illegalen Graffitis“ gegeben. Vor zehn Jahren wurden diese mit Symbolen der Kleinmarkthalle und Frankfurter Wahrzeichen übersprüht. Mittlerweile sei die Wand mit Grüner Soße, Eintracht-Adler und Apfelwein-Bembel bei Touristen ein beliebter Fotospot.

Legale Sprayflächen seien wichtig, um Farbe in das Grau der Großstadt zu bringen, sagt Luca Nolting in der Jugendkulturkirche. Für ihn ist Graffiti „immer noch rebellisch“. Es sei zwar „mehr Mainstream geworden“, trotzdem gebe es immer noch „diese Subkultur und Underground-Szene“ und Graffiti sei weiterhin „ein hochpolitisches Hobby“. „Wem gehört eigentlich unsere Welt, auf der wir alle rumlaufen“, fragt er. In jeder Form des Sprayens gehe es darum, öffentliche Räume „zurückzuerobern“.

Die Dose, die neben der Streetart noch viele weitere Einsatzzwecke kennt, feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Der norwegische Ingenieur Erik Rotheim entwickelte 1926 das Prinzip, Wirkstoffe unter Druck in Metalldosen abzufüllen. 100 Jahre später lernen die Jugendlichen beim Streetart-Workshop in St. Peter, bewusst und kreativ mit der Dose umzugehen.

Johanna (Name von der Redaktion geändert) sprayt gerade ein pinkfarbenes Gesicht auf schwarzem Hintergrund auf die Plane. Wie die anderen Jugendlichen auch trägt sie eine FFP2-Maske und Einweghandschuhe. Eigene Dosen besitze sie nicht, sagt sie, normalerweise zeichne sie Porträts auf Papier. Johanna lobt die Tipps der Workshopleiter und kommt zu dem Fazit: Sprayen ist „mehr Übung als Talent“.

www.sanktpeter.com

Von Christian Spangenberg (epd)