Ab dem 1. Januar 2027 zahlt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau kein Geld mehr für sogenannte „C-Gebäude“ - oft handelt es sich um Gemeindehäuser. Auf dem Land dürfte es schwer werden, für diese Gebäude eine Lösung zu finden.
Biedenkopf, Gladenbach (epd). A, B, C - in diese Kategorien unterteilt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihre Gebäude. Von einigen wird sich die Kirche in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen trennen müssen. Für die „C-Gebäude“ zahlt die Landeskirche ab dem 1. Januar 2027 keine Zuweisungen mehr. Vor allem auf dem Land stellt sich die Frage, was mit diesen Immobilien passieren soll, wenn die Kirchengemeinden sie nicht aus eigener Kraft finanzieren können.
Andreas Friedrich ist Dekan des Dekanats Biedenkopf-Gladenbach, das den nördlichen Zipfel der EKHN bildet. Im Besprechungsraum des Dekanats in Steffenberg-Niedereisenhausen blickt er auf die große Landkarte, die das Dekanat bunt abbildet. Zwei Jahre lang haben sich Vertreter der Landeskirche, des Dekanats und der Gemeinden rund 160 Gebäude angeschaut, kategorisiert und die Vorschläge in der Dekanatsynode - also sozusagen dem Kirchenparlament - beschlossen. „Nirgendwo ist der Prozess abgeschlossen“, betont Friedrich, „wir sind noch mittendrin.“
In Gemeinden könnte es „ein Erschrecken“ geben
A-Gebäude will die EKHN behalten und weiterentwickeln, für B-Gebäude sollen die Gemeinden nur noch Geld für Arbeiten an „Dach und Fach“, also für Sanierungen der Gebäudehülle erhalten. Für alle C-Gebäude gilt: Ab dem 1. Januar entfallen die Zuweisungen der Landeskirche. Friedrich fürchtet, dass es deshalb in einigen Kirchengemeinden „ein Erschrecken“ geben werde, wenn sie ihre Haushaltspläne für 2027 von der Regionalverwaltung erhalten und beschließen müssen.
Etwa 35 Gebäude im Dekanat fallen in die C-Kategorie; das betrifft vor allem Gemeindehäuser. Für sie bestehen nun verschiedene Möglichkeiten: Die Kirchengemeinden könnten sie selbst finanzieren, verkaufen oder sie anderen Interessenten zur Mitnutzung anbieten. Einige Gemeinden besäßen Rücklagen oder eine Stiftung, um das Gebäude weiter zu finanzieren, berichtet Friedrich. „Aber es wird leicht unterschätzt, was ein Gemeindehaus kostet.“ Es fallen Kosten für Energie, Wasser, Reinigung, Reparaturarbeiten und den Hausmeister an.
Einige Gebäude haben Interessenten
Auf dem Land stehen viele Häuser leer, Höfe werden für einen Euro angeboten. Dennoch meldeten sich für einige Gebäude bereits Interessenten. Eine Kirchengemeinde etwa besitze „ein Ensemble“ mit Garten, mitten im Ort - dort werde sich vermutlich ein Käufer finden, sagt Friedrich.
Ideen gibt es. Oft sind die Gemeindehäuser zu groß, eine Gemeinde etwa plant, aus dem Verkaufserlös ein Tiny-Haus neben die Kirche zu setzen, um weiterhin einen Treffpunkt zu haben. Aber noch befindet sich keines der Kirchengebäude auf dem Markt. Und die Gemeinde weiß nicht, wie viel Geld ein Verkauf einbringt.
Der Traum vom Dorfcafé
Andere Gemeinden träumen vom Dorfcafé oder denken an eine Vermietung der Räume für Familienfeiern, an Vereine und Gymnastikgruppen. Aber wie wolle man mit diesen Einnahmen die Kosten für Sanierungen aufbringen, fragt sich der Dekan. „Wir haben nur wenige Gebäude, in denen in den nächsten fünf bis zehn Jahren nichts zu tun wäre.“ Kleiderläden oder Generationenprojekte funktionierten auf dem Land ebenfalls nicht. Kommune und Diakonie winkten meistens ab. Schlimmstenfalls bliebe für einige Gebäude nur, sie stillzulegen und irgendwann abzureißen.
Die Liste der C-Gebäude in der Region wurde noch nicht veröffentlicht. Der Dekan hofft, dass anschließend durch die Öffentlichkeit neue Ideen entstehen. Jedes Gebäude müsse einzeln betrachtet werden, es gebe nicht „die eine Zauberformel, die passt“. Friedrich ist sich sicher: „In vielen Fällen muss es auf einen Verkauf hinauslaufen, sonst fahren die Gemeinden ihre Haushalte ins Minus.“
https://www.dekanat-big.de/
Gebäudeplan der EKHN: https://bauen.ekhn.de/page3