Um keine Frage verlegen - Sandra Maischberger wird 60
Sandra Maischberger
Sandra Maischberger
München, Frankfurt a. M. (epd).

Noch immer bieten politische Talkshows eine viel beachtete Bühne für öffentliche Debatten, und angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen und diverser Krisen im In- und Ausland mangelt es nicht an Themen. Da kann Erfahrung helfen - und die erfahrenste Gastgeberin in der deutschen Talkshow-Landschaft ist Sandra Maischberger. Am 25. August wird die Journalistin, Autorin und Filmproduzentin 60 Jahre alt.

Aus Anlass ihres Geburtstags will sie sich nicht äußern. Das übernehmen andere, zum Beispiel „Zeit“-Chefredakteur und „3nach9“-Moderator Giovanni di Lorenzo: Maischberger zeichne sich durch „preußische Disziplin, italienisches Flair, hohes Qualitätsbewusstsein - und eine bewundernswerte Schlagfertigkeit“ aus, erklärt er auf epd-Anfrage. ARD-Talk-Kollegin Caren Miosga nennt sie „eine fantastische Fragenstellerin“. Und WDR-Programmdirektor Ingmar Cario sieht in ihr ein „Vorbild für viele junge Journalistinnen und Journalisten“.

Auch als Filmproduzentin tätig

Sie hat sich nicht nur als Talk-Gastgeberin, sondern mit ihrer Firma Vincent Productions auch als Filmproduzentin einen Namen gemacht. Zuletzt sorgte der Dokumentarfilm „Riefenstahl“ von Andres Veiel für Aufmerksamkeit. Die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher weist außerdem auf Maischbergers Interview-Bücher hin, unter anderem mit Helmut Schmidt (SPD) und Hildegard Hamm-Brücher (FDP). „Ihre Gespräche mit ausgewählten Persönlichkeiten beinhalten neben dialogischen Reflexionen auch Lebensgeschichten unabhängig von der zeitlichen Begrenzung des Fernsehens“, erklärt Bleicher.

Maischbergers Talent hat sich offenbar früh gezeigt: „Ich war ein total neugieriges, nerviges Kind, das permanent gefragt hat - und daraus kann man einen Beruf machen“, sagte Maischberger 2017 als di Lorenzos Gast in einer „3nach9“-Sendung. Die gebürtige Münchnerin wuchs bis zum achten Lebensjahr in Italien auf, heute lebt die Mutter eines Sohnes mit ihrem Mann, dem Kameramann Jan Kerhart, in Berlin. Als junge Journalistin betreute sie die BR-Jugendsendung „Live aus dem Schlachthof“. Bereits in dieser innovativen Sendung habe sie „ihre besondere kommunikative Kompetenz“ gezeigt, sagt Bleicher.

Markenzeichen: Kompetente Gesprächsführung

Mit dem täglichen Interviewmagazin „0137“ beim Abo-Sender Premiere (ab 1992) und der Talkshow „Maischberger“ beim Nachrichtensender n-tv (2000-2006) etablierte sie sich als Journalistin, die für ihre kompetente Gesprächsführung respektiert und im Jahr 2000 erstmals mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Zahlreiche andere Auszeichnungen folgten.

Im Ersten übernahm sie mit „Menschen bei Maischberger“ im September 2003 den Dienstagabend-Sendeplatz von Alfred Bioleks „Boulevard Bio“. Nach den ersten Jahren, in denen es auch mal um UFOs, Engel und Außerirdische ging, wurde die Show mit der Zeit wieder politischer und tagesaktueller - was Maischbergers Stärken deutlicher zum Vorschein bringt.

Seit 2019 im Fernsehen: „Maischberger“

Seit 2019 verbindet die Sendung „Maischberger“ vor Studiopublikum Einzelinterviews, Zweiergespräche und eine Art „Internationalen Frühschoppen“ im Mini-Format: Mit zwei Journalistinnen oder Journalisten und einem prominenten Gast versucht Maischberger, unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen einzubinden.

Forscherin Bleicher lobt die „vielschichtigen Gespräche, ohne sich auf vorgefertigte Meinungen oder oberflächliche Sprachfloskeln zurückzuziehen“. Gleichzeitig verweist sie auf die Kritik an der häufigen Präsenz einzelner Talk-Gäste. Auch der WDR-Rundfunkrat mahnte mehrfach „Themenvielfalt und eine ausgewogene Gästeauswahl“ an. Seit der 2019 vorgenommenen Umstellung kommt „Maischberger“ jedoch deutlich besser weg.

„Kluge und präzise Fragen“

Der WDR ist Auftraggeber der Talkshow, die von Maischbergers Firma produziert wird. Der aktuelle Vertrag läuft bis Ende 2027, in manchen Wochen wird „Maischberger“ an drei Tagen ausgestrahlt - neben den regulären Terminen am Dienstag und Mittwoch auch am Montag. Nach WDR-Angaben erreichte „Maischberger“ in der ersten Hälfte dieses Jahres im Ersten durchschnittlich 1,28 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, was einem Marktanteil von 12,1 Prozent entspreche. In der Vergangenheit verzeichnete insbesondere Maischbergers Interview mit dem mittlerweile verstorbenen Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) enorme Einschaltquoten.

Aktuell kann Konkurrent Markus Lanz im ZDF zwar zumeist höhere Marktanteile vorweisen (1. Halbjahr 2026: 14,4 Prozent bei 1,32 Millionen Zuschauer laut ZDF), doch Maischbergers Qualitäten sind im verantwortlichen Sender unumstritten. WDR-Programmdirektor Ingmar Cario würdigt ihre „immer klugen und präzisen Fragen, ihr hartnäckiges Nachhaken und tiefes Wissen“ und nennt sie „eine zentrale Stimme für die Debatten- und Demokratie-Kultur in diesem Land“.

Dass bei ihr AfD-Politikerinnen und -Politiker ebenfalls auf der Talkshow-Bühne sitzen, das verteidigte sie schon im März 2020 im Interview mit dem vom Deutschen Journalistenverband (DJV) herausgegebenen Branchenblatt „Journalist“: „Vertreter der AfD generell nicht mehr einladen zu wollen, lässt sich in unserer Demokratie nicht begründen. Auch, wenn das die Arbeit nicht leichter macht: Es geht nie um die Frage des Ob, sondern immer des Wie.“ (2333/20.08.2026)

Von Thomas Gehringer (epd)