"Gebaute Philosophie": Haus Habermas ist Baudenkmal
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Das Haus des verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas ist nun Baudenkmal.
Gebäude am Starnberger See zeugt vom "Übergang zur Postmoderne"
Starnberg (epd).

Das Haus des verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas in Starnberg ist nun Baudenkmal. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren sei nach Prüfung in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen worden, teilte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) am Donnerstag mit. Es gilt als bedeutendes Zeugnis des Übergangs vom Neofunktionalismus der Nachkriegsmoderne zur Postmoderne.

„Das Haus Habermas ist gebaute Philosophie“, sagte BLfD-Generalkonservator Mathias Pfeil laut Mitteilung. Es sei „ein herausragendes Zeugnis für das Selbstbild eines der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts“. Seit seinem Bau sei das Gebäude, in dem Habermas mit seiner Familie lebte, fast unverändert erhalten und dokumentiere „das Bauen und Wohnen des gehobenen Bürgertums“ der 1970er-Jahre.

„Verteidiger der demokratischen Vernunft“

Der im März verstorbene Philosoph und Soziologe Habermas sei „ein leidenschaftlicher Verteidiger der demokratischen Vernunft“ gewesen, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Sein Wohnhaus sei „ein besonderer Ort der Geistesgeschichte“. Es mache sichtbar, wie Leben und Denken, Raum und Werk für Jürgen Habermas verbunden waren.

Das Haus, gelegen an einem Hang am Starnberger See, ist ein langgestreckter weißer Kubus. Innen bildet eine Bücherwand die zentrale Achse, die von der Haustür entlang des Wohn- und Essbereichs bis zum Arbeitszimmer verläuft. Darüber schweben Kugel-Pendelleuchten. Die Fensterfront mit Erker erhellt die Zimmer, eine betonierte Wendeltreppe verbindet drei Stockwerke, wie Bilder des BLfD zeigen.

„Rationalität durch klare Formensprache“

Die Fenster haben Stahlrahmen, der Dachaufsatz ist aus Glasbausteinen. Damit stellte Habermas architektonisch laut BLfD einen Bezug zum Philosophen Ludwig Wittgenstein und der Villa Stonborough-Wittgenstein in Wien her. Habermas und Wittgenstein verband ihr „Denken im Hinblick auf die zentrale Bedeutung der Vernunft“. Beide Bauten vermittelten „Rationalität durch ihre klare Formensprache“.

Mit dem Wohnhaus, das um den offenen Ess- und Wohnbereich konzipiert ist, ließ Habermas „ein bauliches Äquivalent für sein Ideal der Sprache als hierarchiefreien, sozialen, rationalen und emanzipatorischen Diskurs“ errichten, wie es hieß. Unverkennbar seien auch die Einflüsse von Le Corbusier der 1920er- und 1930er-Jahre. Der Architekt entwickelte seine Villen aus der Idee des rationalen Bauens, nach der die Form sich aus der Funktion des Wohnens speist.

Erstlingswerk der Münchner Architekten Hilmer und Sattler

Das Gebäude ist das Erstlingswerk der Münchner Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler, die die Planung im Austausch mit Jürgen Habermas und seiner Frau Ute entwickelten. „Für uns junge Architekten war dieser Auftrag abenteuerlich“, sagte Sattler laut Mitteilung. Zuvor habe das Architekten-Duo einen Wettbewerb gewonnen, wodurch sie als „vielversprechend“ galten. Das Haus sei weniger vom Bauhaus inspiriert als von der Wiener Secession und stehe „inmitten der Reflexion über die Moderne“.

Dem Gebäude kommt laut BLfD nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz besondere geschichtliche, künstlerische und wissenschaftliche Bedeutung zu. Sein Erhalt liege im Interesse der Allgemeinheit. (2283/13.08.2026)

Von Christine Ulrich