Newsfeed-Tickermeldung - Zentralredaktion/epd-Zentralredaktion
Zehntausende unterstützen Petition für humanere Flüchtlingspolitik

Zehntausende Menschen unterstützen eine Internetpetition, die Politik und Kirchen zum Einsatz für eine humanere Flüchtlingspolitik auffordert. "Die Regierungen in Europa dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen, indem sie Grenzen schließen und Menschen in Not abwehren", heißt es in dem auf der Plattform "change.org" veröffentlichten Aufruf, den bis Donnerstagmittag mehr als 30.000 Menschen unterzeichnet haben. Es sei richtig, durch Grenzkontrollen festzustellen, wer nach Europa einreist. "Aber es ist völkerrechtswidrig, Menschen in Seenot nicht zu retten", heißt es darin.

Gestartet wurde die Petition vom Europapolitiker Sven Giegold (Grüne), der Autorin Beatrice von Weizsäcker und Ansgar Gilster von der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Aufruf appelliert dezidiert an die Kirchen: "Von unseren Kirchen in Europa erwarten wir die Verteidigung der Menschenwürde ohne politische Rücksichtnahme." Die Petenten fordern die Kirchenleitungen darin auf, sich "mutiger, klarer und unmissverständlich" zu äußern.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, begrüßte auf seiner Facebook-Seite die Petition. Sie bringe zum Ausdruck, wofür er sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder eingesetzt habe, schreibt der bayerische Landesbischof und ergänzt selbstkritisch: "Offensichtlich nicht deutlich und vernehmbar genug."

Öffentliche Erklärungen brauche es "insbesondere da, wo es Anlass gibt, die Grundorientierungen, die mit dem Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens verbunden sind, und die biblische Option für die Schwachen und Verletzlichen in Erinnerung zu rufen", schreibt Bedford-Strohm. Die CSU-Landesregierung in Bayern, die durch Grenzschutzmaßnahmen Fluchtbewegungen nach Europa verhindern will, hatte in einem umstrittenen Erlass angeordnet, Kreuze in Landesbehörden aufzuhängen. Dies hatte eine Diskussion über die Vereinnahmung der Religion und des Verhältnisses von Staat und Parteien zu den Kirchen ausgelöst.

Die evangelische Kirche fördert selbst die Seenotrettung im Mittelmeer. Das Aufklärungsflugzeug "Moonbird", das von ihr in diesem Jahr bis zu 100.000 Euro als Unterstützung für den Betrieb erhalten soll, wurde kürzlich auf Malta festgesetzt. In der kommenden Woche will der rheinische Präses Manfred Rekowski Seenotretter auf Malta besuchen.