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Wormser Dom wird vorübergehend zum Ausstellungsraum

Eine Sonderausstellung zum Jubiläum 1.000 Jahre Wormser Dom spannt einen Bogen vom Bau der Kirche bis zum heutigen Gemeindeleben. Die Idee sei gewesen, die Steine des Doms gewissermaßen aufzuklappen, sagte die Wormser City- und Touristenseelsorgerin Claudia Staudinger am Donnerstag bei der Vorstellung der Schau. Unter dem Titel "Aufgeschlossen!" wurden sieben interaktive Stationen über die ganze Kirche verteilt. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Freitagnachmittag.

Eine Schlüsselrolle in der Ausstellung spielt der Bauherr des Doms, der Wormser Bischof Burchard. Auf dem Rundgang zu Exponaten und Ausstellungstafeln passieren die Besucher auch dessen Grab im Westchor der Kirche. Burchards Rolle bei der Entwicklung von Worms wird ebenso beleuchtet wie sein Beitrag zum mittelalterlichen Rechtswesen.
Beispielsweise hatte der Wormser Bischof alte Beichtanleitungen durchgesehen und für seine Priester einen einheitlichen Katalog mit den angemessenen Bußen für alle erdenklichen Sünden zusammengestellt. 20 Tage bei Wasser und Brot sollten die Pfarrer etwa jedem verordnen, der an Ostern der Messe ferngeblieben war.

Spektakulärstes Ausstellungsstück ist ein Teilstück des um 1900 freigelegten Original-Marmorfußbodens aus der Zeit des Dombaus. Außerdem gibt es weitere archäologische Funde, alte Handschriften, Video- und Audiobeiträge. Unmittelbar nach der Ausstellungseröffnung am Freitag soll auch das umstrittene neue Gemeindezentrum "Haus am Dom" eingeweiht werden, das in direkter Nachbarschaft zum Dom erbaut wurde.

Am Pfingstsamstag sollen die fünf neuen Glocken des Doms erstmals geläutet werden. Vom 4. bis 10. Juni begeht die katholische Kirche das 1.000-jährige Bestehen des Wormser Doms dann mit einer Festwoche.

Der Bau des Wormser Doms hatte um das Jahr 1000 begonnen. Die Weihe fand am 9. Juni 1018 statt. Der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome wird im Nibelungenlied erwähnt, mit dem sogenannten Königinnenstreit findet eine Schlüsselszene der Saga am Domportal statt. In unmittelbarer Nähe der Kirche wurde 1521 der Wormser Reichstag abgehalten, auf dem Martin Luther sich vor König Karl V. weigerte, seine Lehre zu widerrufen.