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"Wir sind Kirche" begrüßt Heiligsprechung von Erzbischof Romero

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" begrüßt die Heiligsprechung von Oscar Romero am kommenden Sonntag im Vatikan. Der am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Todesschwadronen erschossene Erzbischof von San Salvador gelte für die Armen in der Kirche "schon lange als heilig", erklärte die Organisation am Donnerstag in München. Seine Seligsprechung sei immer wieder "mit fadenscheinigen Argumenten" verzögert worden. Zu Recht werde Romero "jetzt endlich zum Vorbild der gesamten Weltkirche" erklärt.

Als "Stimme der Unterdrückten" sei sich der lateinamerikanische Theologe bewusst gewesen, dass erst der Rückhalt der einfachen Leute und Basisgemeinden ihn stark gemacht habe, erklärte die Laienorganisation. Der Märtyrer biete daher auch heute Orientierung bei "der so dringend nötigen Überwindung des überall verbreiteten Klerikalismus".

Am kommenden Sonntag will Papst Franziskus Romero sowie seinen Amtsvorgänger Paul VI. (1897-1978) heiligsprechen. Bei der Feier im Rahmen der Bischofssynode über Jugend und Kirche auf dem Petersplatz wird er Vatikanangaben zufolge zugleich vier weitere Selige heiligsprechen, darunter die deutsche Ordensgründerin Maria Katharina Kasper (1820-98). Selig- und Heiligsprechungen von Päpsten seien allerdings grundsätzlich zu hinterfragen, da sie den Absolutheitsanspruch des Papsttums unnötig unterstrichen, kritisierte "Wir sind Kirche". Dies setze gerade in der heutigen Zeit ein fragwürdiges Signal.

Zur Heiligsprechung von Papst Paul VI. erklärte "Wir sind Kirche", dessen großes Verdienst sei es, dass er das Zweite Vatikanische Konzil, mit dem sich die katholische Kirche in den 1960er Jahren der modernen Welt geöffnet hatte, nach dem Tod seines Vorgängers Johannes XXIII. fortführte und abschloss. Die von ihm 1968 veröffentlichte Enzyklika "Humanae Vitae" stelle hingegen eines der umstrittensten päpstlichen Schreiben der neueren Kirchengeschichte dar, so die Laienbewegung. Mit dem als Pillen-Enzyklika bekannt gewordenen Rundschreiben hatte Paul VI. Katholiken die Verwendung von Verhütungsmitteln wie der Anti-Baby-Pille und Kondomen verboten.

Andererseits bleibe anzuerkennen, dass Paul VI. das System der grenzenlosen Profitmaximierung kompromisslos gebrandmarkt und die lateinamerikanische Option für die Armen aus tiefer Überzeugung gewürdigt habe. Trotz seiner Heiligsprechung dürfe jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit "Humanae Vitae" nicht vermieden werden, hieß es weiter.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" setzt sich ein für eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sowie der darauf aufbauenden theologischen Forschung und pastoralen Praxis. Die 1996 in Rom gegründete internationale Bewegung ist nach eigenen Angaben derzeit in mehr als 20 Ländern auf allen Kontinenten vertreten und weltweit mit gleichgesinnten Reformgruppen vernetzt.