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US-Repräsentantenhaus: Entlassener Kaplan darf nun doch bleiben

Der im April entlassene Kaplan des US-Repräsentantenhauses, der Jesuitenpater Patrick Conroy, darf nun doch bleiben. Der Sprecher des Hauses, der Republikaner Paul Ryan, erklärte am Donnerstag (Ortszeit), eine "langgezogene Auseinandersetzung um so einen bedeutenden Posten" sei nicht im Interesse der Abgeordneten. Conroy werde sein Amt behalten.

Die Hintergründe der von demokratischen Abgeordneten kritisierten Entlassung bleiben unklar. Der seit 2011 amtierende Kaplan hatte laut Medienberichten erklärt, er kenne die Gründe selbst nicht genau. In der "New York Times" verwies er jedoch auf sein öffentliches Gebet im November, bei der Steuerreform solle es "keine Gewinner und Verlierer" geben. Ryan habe ihn damals aufgefordert, sich nicht in die Politik einzumischen. Ryan sagte vergangene Woche laut Rundfunksender NPR, die "pastoralen Dienste" von Conroy seien nach Ansicht mancher Abgeordneter nicht zufriedenstellend gewesen.

Ryans Umschwung erfolgte nach einem Schreiben Conroys, in dem dieser sein Rücktrittsangebot zurückzog. Conroy betonte darin, er sei nie wegen mangelnder Seelsorge kritisiert worden. Ryan erklärte nun auf seiner Webseite, er wolle mit dem Geistlichen zusammenkommen, "so dass wir uns vorwärts bewegen können zum Wohl des gesamten Repräsentantenhauses".

Die beiden Kammern im US-Kongress, das Repräsentantenhaus und der Senat, beschäftigen seit jeher einen Kaplan. Protestanten stellen rund 55 Prozent der Politiker im Kongress und Katholiken beinahe ein Drittel. Der Kaplan spricht das Eröffnungsgebet bei Sitzungen und kümmert sich um die geistlichen Belange von Politikern und Mitarbeitern. Conroy ist der zweite römisch-katholische Kaplan in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Repräsentantenhauses.