Entwicklung
Fair-Trade-Armreif in einem Weltladen in Frankfurt am Main
© epd-bild / Heike Lyding
"Wir betreiben fairen Handel aus Überzeugung"
Frankfurt a.M. (epd). Der Verkaufsschlager im Weltladen im Frankfurter Stadtteil Bornheim ist der MainKaffee. Die Packung mit der Frankfurter Skyline auf hellblauem Grund steht zwischen anderen Kaffees, Tees und Schokoladensorten aus aller Welt im Regal. "Unser Motto für den Kaffee ist: Global gehandelt und lokal genossen", sagt Stefan Diefenbach, der das Geschäft zusammen mit einer Kollegin führt.

In ganz Deutschland gibt es ungefähr 800 Weltläden. Sie verkaufen nur Produkte aus fairem Handel, also solche, für die die Erzeuger einen angemessenen Preis erhalten. So soll die Existenz der Produzenten gesichert werden, die meist in den Ländern des Südens leben.

"Wir verkaufen Produkte für Kunden, denen es nicht egal ist, wo die Ware herkommt und wie sie produziert wird", sagt Diefenbach. Weltläden seien zudem nicht nur Verkaufsstätten, sondern auch Bildungseinrichtungen. "Es ist uns sehr wichtig, das Bewusstsein der Kunden zu verändern", sagt der 54-Jährige.

Eine der größten Aktionen der Weltläden ist die "Faire Woche". 2018 findet sie vom 14. bis zum 28. September statt. Der Weltladen in Bornheim beliefert in der "Fairen Woche" ein Freitags-Frühstück des Frankfurter Magistrats. Es sei wichtig, mit der Politik in Kontakt zu bleiben, sagt Diefenbach. "Entscheidungen, die im Norden getroffen werden, beeinflussen oft die Menschen im globalen Süden, die hier aber keine Stimme haben." In Diskussionen um Konsum und Nachhaltigkeit müssten die Weltläden diese Menschen vertreten.

Die aktuellen Debatten seien allerdings zu sehr auf ökologische Aspekte beschränkt, kritisiert Diefenbach. "Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, dass ein Produkt ohne den Einsatz von Pestiziden hergestellt wird, sondern auch, dass Strukturen aufgebrochen werden, die Menschen in Armut halten." Trotzdem sind rund 80 Prozent aller fair gehandelten Produkte bio. "Für uns ist beides wichtig: Dass sowohl die Umwelt, als auch die Menschen fair behandelt werden."

Die Bildungsarbeit der Weltläden scheint zu wirken: Laut einer Umfrage im Auftrag des Forums Fairer Handel kaufen zwei von drei Deutschen 2018 zumindest gelegentlich fair gehandelte Artikel. Auch Supermärkte und Discounter führen immer mehr solche Produkte. Lidl verkauft rund 20 Artikel aus fairer Produktion, Rewe hat fair gehandelte Eigenmarkenartikel im Sortiment. Eine Kundenumfrage ergab, dass inzwischen 72,8 Prozent der Befragten Fairtrade-Produkte im Supermarkt und nur 8,1 Prozent in Weltläden kaufen. 2017 ging der Umsatz der Weltläden um 1,3 Prozent zurück, während der Gesamtumsatz des fairen Handels um 13 Prozent stieg.

Überflüssig seien Weltläden aber noch lange nicht, sagt Claudia Brück vom Verein Transfair, der das Fairtrade-Siegel vergibt. "Das Sortiment in Weltläden ist ein anderes als das im Supermarkt", erklärt sie. Während die großen Ketten hauptsächlich fair gehandelte Lebensmittel anbieten - die größte Menge fair gehandelter Bananen wurde 2017 in Discountern verkauft - werden in Weltläden auch Kunsthandwerk, Accessoires und Kleidung angeboten. Weltläden arbeiten zudem laut Brück häufig mit kleineren Handelspartnern zusammen, die die Vertriebsstrukturen von Supermärkten nicht bedienen können.

Außerdem hätten die Weltläden den fairen Handel erst zu dem gemacht, was er heute ist, betont Brück. "Sie haben ein Bewusstsein geschaffen, ohne das die heutige Fachlandschaft nicht denkbar wäre." Hervorzuheben sei auch das ehrenamtliche Engagement der Weltläden-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

"Wir betreiben fairen Handel aus Überzeugung", betont Diefenbach. Laut dem Weltladen-Geschäftsführer gibt es noch einen weiteren entscheidenden Unterschied zwischen fair gehandelten Produkten aus Weltläden und jenen aus Supermärkten oder Discountern: In Weltläden sei nicht nur das Produkt, sondern der gesamte Handel fair. "Das bedeutet zum Beispiel, dass Mitarbeiter nicht ausgebeutet werden und dass es demokratische Strukturen im Unternehmen gibt", erklärt Diefenbach.

Von Jana-Sophie Brüntjen (epd)