Medien
Donald Trump
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USA: Journalisten befürchten Gewalt wegen Trumps "Medienhetze"
Bewaffnete Sicherheitsleute bei der "New York Times" eingestellt
Washington (epd). Am Wochenende legte Donald Trump nochmal nach. Wenn er seinen Landsleuten erläutere, dass die Medien der "Feind des Volkes" seien, leiste er einen "großen Dienst", twitterte der US-Präsident. Die Medien säten Misstrauen und seien gefährlich, warnte er: "Sie können auch Krieg verursachen." Inzwischen befürchten Journalisten in den USA, dass es aufgrund der unablässigen Verbalattacken auf die angeblich unpatriotischen Medien zu tätlichen Übergriffen von Trump-Anhängern kommen könnte.

Seit Wochen steigert Trump Beschimpfungen von Presse und Medien. Er teilt beim Kurznachrichtendienst Twitter ebenso gegen Journalisten aus wie bei Veranstaltungen für die kommenden Zwischenwahlen: "Die Lügenpresse hasst mich, weil ich sie 'Feind des Volkes' nenne, weil sie wissen, es ist wahr", hieß es im Tweet des Präsidenten. Es sind Sätze wie dieser, die unter Medienleuten ein Gefühl der Bedrohung erzeugen.

Der Verleger der "New York Times", A.G. Sulzberger, traf sich Ende Juli im Weißen Haus mit dem Präsidenten, um ihm eine Warnung zu übermitteln. Trumps Wortwahl bei der Medienkritik sei "zunehmend gefährlich", erklärte Sulzberger. Er habe Trump gesagte, dass die "aufhetzerische Sprache" zu verstärkten Drohungen geführt habe. Die "New York Times" stellte nach Angaben Sulzbergers bewaffnete Sicherheitsleute ein. Trump habe sich überrascht gezeigt, sagte Sulzberger, dass dieses Personal erst jetzt eingestellt worden sei.

Bei seinen Veranstaltungen wütet der Präsident über die Medien, weil diese nicht die Wahrheit über seine Erfolge sagten. Seine Fans beschimpfen Reporter, die sich gewöhnlich in einem abgegrenzten Bereich aufhalten. Ein Hauptangriffsziel ist dabei der Nachrichtensender CNN. Dessen Korrespondent Jim Acosta schrieb nach einer Trump-Veranstaltung Ende Juli in Tampa im Florida, er sei "sehr besorgt, dass jemand zu Schaden kommt wegen der Feindseligkeit, die von Trump und manchen in den konservativen Medien aufgewirbelt wird". Ein CNN-Video zeigte Dutzende Aufgebrachte, die Reporter anschreien. Ein Glatzkopf trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Fuck the Media".

Die Proteste gegen "die Medien" finden allerdings Rückendeckung im Kabelsender Fox News. US-Amerikaner "schreien Euch an aus einem Grund", belehrte Fox-Talkshow-Moderator Sean Hannity seine Kollegen. Amerikaner "mögen Eure unfaire, beleidigende Berichterstattung über den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht", urteilte Hannity, der angeblich häufig mit Trump telefoniert. Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders wurde Anfang August mehrmals gefragt, ob sie einverstanden sei mit der Charakterisierung der Medien als Volksfeinde. "Ich bin hier, um für den Präsidenten zu sprechen", entgegnete Sanders. Der habe seine Position deutlich gemacht.

Die Medienkritikerin der "Washington Post", Margaret Sullivan, äußerte unterdessen Zweifel an der Wirkung von Mäßigungsappellen. Der Präsident nutze die Medien als "zweckdienlichen Feind". Trump wolle die Berichterstattung über die Ermittlungen von Sonderstaatsanwalt Robert Mueller in der Russland-Affäre untergraben, um mögliche "negative Auswirkungen" der Untersuchungsergebnisse abzuwehren.

Von Konrad Ege (epd)