Kirche
Fahnen mit dem Katholikentags-Motto "Suche Frieden" vor dem St.-Paulus-Dom zu Münster
© epd-bild / Friedrich Stark
Streiten für den Frieden
Schwerpunkte des 101. Deutschen Katholikentages in Münster
Münster (epd). "Suche Frieden": Unter diesem Leitwort steht der 101. Deutsche Katholikentag in Münster vom 9. bis 13. Mai. Fast 800 Mal erscheint das Wort Frieden in dem 680 Seiten dicken Programmheft. Auf Podien werden dazu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet. Das Christentreffen ist wie sein protestantisches Gegenstück - der Deutsche Evangelische Kirchentag - auch Forum für die großen Zeitthemen: Klimawandel, Flüchtlinge, Globalisierung, soziale Gerechtigkeit und Umwelt.

Das Thema Frieden hat im Jahr 2018 eine besondere Bedeutung: Vor 400 Jahren begann der verheerende Dreißigjährige Konfessionskrieg. Die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück 1648 beendeten die militärischen Auseinandersetzungen und schufen ein neues Gleichgewicht zwischen den europäischen Großmächten. Und 100 Jahre ist es her, dass der Erste Weltkrieg sein Ende fand.

"Angesichts der Kriege und Brandherde unserer Zeit lag die Aktualität dieses Themas auf der Hand", erklärt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bei der Vorstellung der Programmhöhepunkte. In Münster wird es Sternberg zufolge auch um die Suche nach dem Frieden zwischen Kulturen, Weltanschauungen und Religionen gehen.

Friede sei aber auch das Thema des alltäglichen Zusammenlebens, die Suche nach gesellschaftlichem Frieden, nach Frieden mit dem Nachbarn und Nächsten und nicht zuletzt "auch um den Frieden mit mir selbst", betont Sternberg: "In alter biblischer Tradition wird der Friede kombiniert mit der Gerechtigkeit; beide bedingen sich gegenseitig."

In Münster wird viel Politprominenz erwartet. Das Bundeskabinett ist nach Angaben der Veranstalter beim Katholikentag in Münster so stark vertreten wie selten zuvor. Kommen wollen rund die Hälfte von 16 Mitgliedern der Regierung zu Veranstaltungen und als Gesprächspartner für Podien. Mit Spannung erwartet wird eine Diskussion zur Haltung der Bundestagsparteien zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft mit den religionspolitischen Sprechern der Parteien, darunter auch einem Vertreter der AfD-Fraktion. Hier könnte die Debatte um die Kreuz-Pflicht in Bayern eine Rolle spielen.

Die Diskussionen um den Frieden in Münster werden nicht langweilig, ist sich Holger Arning vom Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Uni Münster sicher: "Schließlich kommen hier wieder die unterschiedlichsten Gruppen zusammen, Politiker und Theologen, Soldaten, Militärseelsorger und Friedensbewegte, Vertreter der Hilfsverbände und viele andere", erklärte Arning in der Fachzeitschrift "Herder Korrespondenz" (Mai-Ausgabe).

"Fast alle verbindet, unabhängig von parteipolitischen Vorlieben, aber auch ein Grundkonsens, der auf den Lehren aus der Geschichte aufbaut", betonte Buchautor Arning: "Es geht ihnen um ein friedlich geeintes Europa, eine friedenssichernde Außen- und Entwicklungspolitik und den respektvollen Dialog der Religionen. Auf dieser Basis spricht nichts dagegen, auch in Münster ein bisschen Streit um den Frieden zu riskieren."

Auch das Thema Ökumene könnte nach dem harmonischen 500. Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr für Irritationen sorgen: Nicht im offiziellen Programm, aber gewiss ein Gesprächsthema wird der Streit der katholischen Bischöfe über die Öffnung des Abendmahls für evangelische Ehepartner in Deutschland. Dies ist nicht nur ein innerkatholisches Thema.

Anfang April war bekanntgeworden, dass sich sieben Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki mit einem Brief an den Vatikan gewandt hatten, in dem sie die Rechtmäßigkeit des Zugangs von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion anzweifeln. Ende Februar hatte die Deutsche Bischofskonferenz mehrheitlich beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen.

Zum Katholikentag in Münster werden mehrere Zehntausend Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Katholikentage werden vom ZdK in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet. Der 100. Deutsche Katholikentag fand 2016 in Leipzig statt, 2014 trafen sich die katholischen Laien in Regensburg, 2012 in Mannheim. Zuletzt in Leipzig waren 34.000 Dauer- und 6.000 Tagesgäste zusammengekommen.

Von Stephan Cezanne (epd)