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Stiftung gegen ZDF-Werbung für Potsdamer Garnisonkirche
Potsdam (epd). Die Garnisonkirchen-kritische Martin-Niemöller-Stiftung nimmt Anstoß an einem ZDF-Werbespot für den Wiederaufbau des Potsdamer Gotteshauses. Der Stiftungsvorsitzende Michael Karg forderte am 19. Februar in Wiesbaden eine sofortige Einstellung der kostenlosen Werbung und kündigte eine Beschwerde beim Fernsehrat an. Der Film war am Vortag unmittelbar vor den 19-Uhr-Nachrichten erstmals ausgestrahlt worden.

Karg monierte, das ZDF gebe mit dem Spot seine "bisherige ausgewogene Berichterstattung auf" und werde "werbend tätig". Es handele sich dabei um "eine einseitige Parteinahme für ein auch international umstrittenes erinnerungspolitisches Projekt". Die Martin-Niemöller-Stiftung, die dem Wiederaufbau kritisch gegenübersteht, will nun wissen, ob der ZDF-Fernsehrat über diesen Vorgang informiert war. Auch sei mangelhaft, dass in dem Beitrag nicht über die aktuell aufgetretenen Schwierigkeiten beim Bau berichtet werde.

Der ZDF-Spot war im Januar in den Ausstellungsräumen am historischen Standort der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Kirche und auf dem benachbarten Baufeld gedreht worden. Die Arbeiten für den rund 40 Millionen Euro teuren Wiederaufbau des Kirchturms hatten Ende 2017 begonnen. Sie wurden jedoch wegen technischer Probleme kurz darauf unterbrochen. Die Baustelle liegt deshalb bereits seit einigen Wochen still.

Der Wiederaufbau ist umstritten. Kritiker sehen die Barockkirche als Symbol des preußischen Militärs und des NS-Regimes. Befürworter stellen die Bedeutung für das Potsdamer Stadtbild in den Mittelpunkt. Die evangelische Kirche will den Turm für Friedens- und Versöhnungsarbeit nutzen.