Kirche
Ulrich Fischer
© epd-bild / Norbert Neetz
Offen, fröhlich und liberal
Der badische Altlandesbischof Ulrich Fischer wird 70 Jahre alt
Karlsruhe (epd). Was er anpackt, macht er mit Leib und Seele. Als Landesbischof repräsentierte Ulrich Fischer 16 Jahre lang, von 1998 bis 2014, rund 1,25 Millionen Protestanten in Baden: fröhlich, offen und für jeden ansprechbar. Mit gleicher Leidenschaft war er auch viele Jahre der Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Heute ist er genauso gerne Pensionär und lebt gemeinsam mit seiner Frau auf dem Pferdehof seiner Tochter, umringt von Enkeln. Am 11. Februar wird der evangelische Theologe 70 Jahre alt. Die Landeskirche hatte einen offiziellen Empfang zu seinen Ehren am 12. Februar geplant. Doch nun habe er die Feier leider wegen einer "schweren Erkrankung" kurzfristig absagen müssen, sagte Fischer dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bis heute engagiert sich Fischer innerhalb der EKD als ehrenamtlicher Vorsitzender des Vertrauensrates der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste. Früher war er Vorsitzender des Präsidiums der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (2003-2013), zudem wurde er 2009 für eine Amtszeit in den Rat der EKD gewählt. Von 2005 an hatte er zehn Jahre lang Leitungsfunktionen im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) inne, bis 2012 als Vorsitzender von Gesellschafterversammlung und Verwaltungsrat, ab 2013 an der Spitze des damals neu gebildeten Aufsichtsrats.

Der gebürtige Lüneburger bezeichnete es immer als "Privileg", Bischof zu sein. Nach dem Studium der Theologie in Göttingen und Heidelberg stand er im badischen Sandhausen erstmals auf der Kanzel. Bis heute hat er mehr 1.000 Predigten gehalten. Und so wie ein Pfarrer seine Ortsgemeinde führe, so habe er die Landeskirche geleitet, erläutert er sein Amtsverständnis.

Oft sei er um ein Machtwort gebeten worden, erzählt er. Das stehe ihm als evangelischer Bischof jedoch nicht zu. Denn in der evangelischen Kirche gebe es das Priestertum aller Gläubigen, daher könne er nur beraten, vermitteln und mit Worten überzeugen.

Fischers große Stärke ist der direkte Draht zu den Menschen, Jungen und Alten, Protestanten und Katholiken, Zweifelnden und Glaubenden. Sein großes Thema ist die Nachhaltigkeit: in kirchlichen Strukturfragen, in der Medienarbeit und vor allem in der Umweltpolitik. So war Fischer Mitglied im baden-württembergischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und in der Ethik-Kommission der Bundesregierung zur sicheren Energieversorgung.

Bis heute gilt sein Engagement den Fragen von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. "Wir können die ökonomischen und ökologischen Lasten, die wir hinterlassen, nicht den nachfolgenden Generationen überlassen", sagt Fischer. Als Bischof legte er kurze Dienstwege mit dem Fahrrad zurück und nutzte Straßenbahnen und Züge.

Bereits vor seinem Amtsantritt am 1. April 1998 hatte Fischer eine gerechtere Einkommensverteilung auch in der Landeskirche und eine Begrenzung von höheren Einkommen gefordert. Dies wurde schnell umgesetzt - zuerst bei seinem eigenen Bischofsgehalt.

An Baden schätzt der Landesbischof nicht nur das milde Klima und den Wein, sondern auch die liberal geprägten Menschen. Bundesweit einzigartig sei hier das ökumenische Klima. Neben einer 2004 verabschiedeten "Charta Oecumenica" zu ökumenischen Gemeindepartnerschaften hat er mit seinem damaligen katholischen Amtsbruder Robert Zollitsch auch den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in Baden-Württemberg mitentwickelt.

Zu seinen Leidenschaften zählt auch die Kirchenmusik. Der Vater dreier erwachsener Töchter spielt Gitarre und Posaune, ist Landesobmann der Posaunenarbeit der badischen Landeskirche und Vorsitzender des Evangelischen Posaunendiensts in Deutschland, dem Dachverband für 117.000 evangelische Blechbläser. Fischer liebt besonders die Musik von Johann Sebastian Bach. "Musik ist für viele Menschen das wichtigste Fenster zum Glauben", ist er überzeugt.

Von Christine Süß-Demuth (epd)