Medien
Mehr Internetnutzer gehen gegen Hasskommentare vor
Düsseldorf (epd). Immer mehr Internetnutzer begegnen Hasskommentaren: Wie eine am 4. Juli in Düsseldorf veröffentlichte aktuelle Umfrage der Landesanstalt für Medien (LfM) Nordrhein-Westfalen ergab, haben 78 Prozent der deutschen Nutzer schon einmal hasserfüllte oder hetzende Kommentare im Internet gesehen. Im vergangenen Jahr waren es mit 67 Prozent noch deutlich weniger. Von den 14- bis 24-Jährigen waren nach eigenen Angaben sogar fast alle (96 Prozent) schon einmal mit Hasskommentaren konfrontiert. Gestiegen ist dabei auch die Zahl der Nutzer, die aktiv gegen Hetze im Netz vorgehen.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der LfM Anfang Juni bundesweit 1.008 private Internetnutzer ab 14 Jahren befragt. Demnach meldete mehr als jeder vierte Nutzer (26 Prozent), der Hassrede im Internet gesehen hat, den Kommentar bei dem entsprechenden Portal. Im Vorjahr tat dies nur etwa jeder Fünfte (22 Prozent). Auch der Anteil der Nutzer, die kritisch auf einen solchen Beitrag geantwortet haben, stieg von 18 Prozent im Jahr 2017 auf 25 Prozent in diesem Jahr.

35 Prozent der Befragten glauben der Umfrage zufolge, dass es im Internet mehr hetzende als sachlich kommentierende Nutzer gibt. Zugleich gab aber nur ein Prozent der Befragten zu, schon einmal einen hetzenden Beitrag selbst verfasst zu haben. Ebenso viele Befragte haben nach eigenen Angaben schon einmal auf einen Hasskommentar geantwortet, um diesen zu unterstützen.

LfM-Direktor Tobias Schmid sagte, die Studie zeige, dass es "viel Hetze, aber wenige Hetzer im Netz" gebe. "Die Ergebnisse sollten uns ermutigen, die Kommunikation im Netz zurückzuerobern, um es wieder zu dem Ort zu machen, der es sein sollte: geprägt von einer freien, offenen und konstruktiven Debattenkultur."

Als Gegenmaßnahmen nannte Schmid unter anderem die Initiative "Verfolgen statt nur Löschen", die hetzende Beiträge den Ermittlungsbehörden meldet. Zudem verwies er auf die in der vergangenen Woche von der LfM vorgestellten Steuerungsstrategien für Redaktionen gegen Hasskommentare. Darin empfehlen die Studienautoren Medienunternehmen etwa, bei Kommentarspalten in Onlineangeboten eine kompetente Moderation sicherzustellen.