Kirche
Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm (li.) und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Marx beim Katholikentag in Münster.
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Marx und Bedford-Strohm: Ökumene lässt sich nicht mehr zurückdrehen
Münster (epd). Die Spitzenrepräsentanten der beiden großen Kirchen haben sich für mehr Anstrengungen in der Ökumene ausgesprochen. Christen auf beiden Seiten sollten "nicht überlegen, was nicht, sondern was geht", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am 11. Mai auf dem Katholikentag in Münster. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, äußerte die Hoffnung auf weitere Fortschritte. Zugleich betonte er, dass die im Reformationsjubiläum 2017 erreichten Annäherungen zwischen den Kirchen "nicht mehr rückholbar" seien.

Zum Streit in der katholischen Kirche über die Öffnung der Eucharistie für evangelische Ehepartner hoffen Kardinal Marx und Bedford-Strohm auf eine gute, einvernehmliche Lösung. Es gebe einen klaren Auftrag von Papst Franziskus, dieses Thema auf pastoral-seelsorgerliche Weise auf Ebene der Nationalkirchen zu regeln, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Dieses Thema sei allerdings nicht neu, sondern werde seit mehr als 20 Jahren in der Bischofskonferenz diskutiert, fügte Marx hinzu.

Ende Februar hatte die Bischofskonferenz mit mehr als Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen. Sieben Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki wandten sich daraufhin mit einem Brief an den Vatikan. Sie bezweifeln, ob eine nationale Bischofskonferenz über die Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner entscheiden darf.

Marx warnte davor, alle Hürden in der Ökumene alleine der katholischen Kirche zuzuschreiben. Ökumene dürfe allerdings auch nicht nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden, so der Münchner Erzbischof. Christen aller Konfessionen sollten die Spaltung der Christenheit überwinden, nicht vertiefen.

Marx und Bedford-Strohm zogen eine positive Bilanz des Reformationsjubiläums 2017. Die baptistische Theologin Andrea Strübind (Oldenburg) bedauerte allerdings eine zu starke Fokussierung im Reformationsjubiläum auf die beiden großen Kirchen. In dem Andenken an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren sei die Vielfalt des Protestantismus nicht ausreichend gewürdigt worden. Vor allem kleine Minderheitskirchen innerhalb der protestantischen Tradition, die außerhalb Europas heute oft Mehrheitskirchen sind, seien bei den Jubiläumsfeiern oft übergangen worden.

Der 101. Katholikentag dauert bis Sonntag. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). In diesem Jahr steht das Laientreffen unter dem Leitwort "Suche Frieden". Mehr als 50.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter Dauerkarten, hinzu kommen Tausende Tagesteilnehmer.