Kirche
Bischof July und "Brot für die Welt"-Präsidentin Füllkrug-Weitzel beim Festgottesdienst in Stuttgart.
© epd-bild / Gerhard Bäuerle
Kirchliche Hilfswerke starten Spendenaktionen
Stuttgart/Wiesbaden (epd). Mit Festgottesdiensten haben die beiden großen Kirchen am ersten Advent ihre Spendenaktionen zu Weihnachten eröffnet. Die evangelische Hilfsorganisation "Brot für die Welt" stellt ihre Kampagne im Jubiläumsjahr unter das Motto "Hunger nach Gerechtigkeit". Es ist die 60. Spendenaktion des Hilfswerks. Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel mahnte in einem live in der ARD übertragenen Gottesdienst in Stuttgart: "Ohne Gerechtigkeit wird der Hunger bleiben." Die katholische Adveniat-Aktion unter dem Motto "Chancen geben - Jugend will Verantwortung" ist jungen Menschen in den von Armut und Gewalt beherrschten Regionen Lateinamerikas gewidmet.

Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July sagte in der Stuttgarter Leonhardskirche: "Seit 60 Jahren geben Menschen durch 'Brot für die Welt' Zeichen der Hoffnung weiter." Die Botschaft sei: "Bedrückende Verhältnisse können verändert werden." Wo Menschen satt werden, ein Zuhause finden, Würde erfahren, da komme Gott an, sagte der württembergische Bischof auf der Kanzel der ersten Vesperkirche Deutschlands. Der Festgottesdienst war der Auftakt ins Jubiläumsjahr des Hilfswerks.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) betonte in einem Grußwort, in unserer satten Wohlstandsgesellschaft würden die allermeisten den Hunger nach Brot zum Glück nicht mehr kennen. "Aber ein Verlangen nach Gerechtigkeit schon. Und das Bedürfnis, Notleidenden zu helfen." Jesu Gerechtigkeit bedeute mehr als Wohlstand, nämlich auch Gemeinsinn und Verantwortung für den Nächsten. "Ob wir wollen oder nicht, heute hat diese Verantwortung eine globale Dimension."

Die weltweiten Partner von "Brot für die Welt" wurden im Gottesdienst von Colin Gonsalves vertreten, einem indischen Menschenrechtsanwalt und Träger des alternativen Nobelpreises. Er hat mit einer Musterklage vor dem indischen Verfassungsgerichtshof das "Recht auf Nahrung" erstritten. "Jugendliche aus Deutschland, reist zu den Armen dieser Welt und helft ihnen, das wird euch für ein ganzes Leben prägen", sagte Gonsalves.

Unter dem Motto "Brot für die Welt" hatten evangelische Landes- und Freikirchen erstmals am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle zu Spenden für die Hungernden weltweit aufgerufen. Das Hilfswerk sammelte bislang rund 2,4 Milliarden Euro an Spenden und Kollekten. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Spendeneinnahmen auf 61,8 Millionen Euro. Zudem erhielt das Hilfswerk 54,7 Millionen Euro aus kirchlichen Mitteln und 147,3 Millionen Euro vom Entwicklungsministerium. "Brot für die Welt" fördert mehr als 1.500 Projekte in 97 Ländern.

In der Wiesbadener Jugendkirche KANA begann am 2. Dezember die Weihnachtsaktion des katholischen Hilfswerks Adveniat. Wenige Wochen vor dem katholischen Weltjugendtag in Panama soll mit Hilfe der Spenden ein Beitrag dazu geleistet werden, dass die Jugendlichen eine Perspektive außerhalb von sozialem Elend oder Jugendbanden haben.

"Noch nie war die Welt so bedroht, so gefährlich und gewaltvoll wie heute", sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing. Armut und soziale Ungerechtigkeit trieben junge Menschen auf Abwege. "Eine echte Chance bekommen, heißt gute Bildung, verlässliche Beziehungen und Freundschaften, gesundes Leben, sauberes Wasser, saubere Luft, Arbeit und Auskommen."

Der für das Hilfswerk in der katholischen Kirche zuständige Bischof Franz-Josef Overbeck sagte, mit dem Eröffnungsgottesdienst und vielen Veranstaltungen im Bistum Limburg beginne Adveniat die Aktionen, um die Lebenssituation der jungen Menschen in Lateinamerika und der Karibik in den Blick zu nehmen. "Denn Jugend will, in Lateinamerika wie hier in Europa, Verantwortung übernehmen", erklärte Overbeck.

Kardinal Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador beklagte, viele Jugendliche würden aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe und fehlender Bildung diskriminiert. Die Kirche müsse helfen, den Jugendlichen die Chance auf ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben zu geben. Dabei sei Adveniat seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner.

Das Lateinamerika-Hilfswerk finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden, vor allem aus der Weihnachtskollekte. Im vergangenen Jahr wurden damit etwa 2.200 Projekte mit einem Volumen von rund 38 Millionen Euro gefördert.