Medien
Liz Corbin
© Huss-PR-Consult / Jeff Overs
"Fest zu den journalistischen Grundprinzipien stehen"
Drei Fragen an Liz Corbin, Nachrichtenchefin bei BBC World News, zu Fake News
Frankfurt a.M. (epd). Liz Corbin ist als "Reality Check Editor" eine erfahrene Fake-News-Jägerin der britischen Rundfunkanstalt BBC. Seit Januar ist die 38-jährige Journalistin Nachrichtenchefin beim globalen Fernsehsender BBC World News in London, zuvor arbeitete sie lange im BBC-Büro in Singapur. Corbin, Gast bei den Medientagen München, hält Fake News für kein neues Problem - aber für eines, das an Dringlichkeit gewonnen hat.

epd: Soziale Medien wie Facebook und Twitter werden häufig für die Verbreitung von Fake News verantwortlich gemacht. Gibt es aus Ihrer Sicht andere gesellschaftliche Faktoren, die das Entstehen von Fake News begünstigen?

Corbin: Fake News gab es schon lange vor den Sozialen Medien. Die neuen Online-Plattformen ermöglichen es jedoch jedem, Nachrichten, die nicht von etablierten, erfahrenen, einer Medienaufsicht unterliegenden Nachrichtenorganisationen auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft wurden, aufzunehmen und zu teilen. Die BBC führt aktuell im Rahmen ihres "Beyond Fake News"-Projektes eine Studie durch, die auch untersucht, warum Menschen Falschinformationen verbreiten. Wir werden die Ergebnisse noch dieses Jahr veröffentlichen. Wichtig ist es festzustellen, dass Fake News kein neues Phänomen sind, aber im Internetzeitalter erheblich präsenter auftreten.

epd: Welche Strategien hat die BBC entwickelt, um Fake News zu identifizieren und ihre Verbreitung im eigenen Programm zu vehindern?

Corbin: Die BBC ist seit fast 100 Jahren eine vertrauenswürdige Nachrichtenquelle. Mehr denn je müssen wir uns auf das besinnen, worin wir all die Jahrzehnte gut waren, die Prüfung von Fakten, eine genaue Berichterstattung und eine verlässliche Analyse der Fakten. Aber auch wir passen uns an und erneuern uns, um auf die geänderten Gewohnheiten des Nachrichtenkonsums zu reagieren. Wir haben neue Teams zusammengestellt und neue Dienste entwickelt, wie den "BBC Reality Check", und das "User Generated Content"-Team, das Storys, die viral gehen, oder Geschichten, die in den Sozialen Medien viel Beachtung bekommen, verifiziert. "BBC Reality Check" wurde inzwischen ausgeweitet, um Falschinformationen auch global zu bekämpfen. Nächstes Jahr wird es in dem Zusammenhang eine Sonderberichterstattung von den Wahlen in Indien geben.

epd: Wie können sich kleine Medien, die nicht über eine so große Personalkapazität wie die BBC verfügen, gegen Fake News wappnen?

Corbin: Für Nachrichtenanbieter, die vertrauenswürdige Informationen liefern wollen, ist die beste Strategie gegen Falschinformationen, fest zu den journalistischen Grundprinzipien zu stehen. Überprüfen Sie die Fakten, auch wenn dies banal klingen mag, stellen Sie sicher, dass die Geschichte, die Sie erzählen wollen, genau und fundiert ist. Natürlich kann sich BBC World News auf die Expertise von Korrespondenten in aller Welt stützen. Auch für uns gilt jedoch der altmodische Ansatz: mit den Menschen sprechen, zwei Seiten einer Geschichte hören, alle Einzelheiten mit Hinweisen zusammenführen - darauf fußt der Journalismus der BBC.

epd-Gespräch: Michael Ridder