Ethik
Josef Hecken
© Gemeinsamer Bundesausschuss / Georg J. Lopata/AXENTiS.DE
"Eine Alternative zu risikoreichen Untersuchungsmethoden"
Der Vorsitzende des Bundesausschusses, Josef Hecken, zu Gen-Tests auf Down-Syndrom
Berlin (epd). Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses im Gesundheitswesen, Josef Hecken, rechnet damit, dass Blutproben-Tests auf ein Down-Syndrom beim ungeborenen Kind trotz ethischer Bedenken künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Hecken sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), der Bundesausschuss (G-BA) werde voraussichtlich zu dem Ergebnis kommen, dass der Test bei Risikoschwangerschaften die bessere Alternative zu Untersuchungen sei, die mit einem Eingriff verbunden sind. Der Test sei keine neue Leistung, betonte Hecken, "sondern eine Alternative zu bestehenden Untersuchungsmethoden, die mit großen Risiken für Mutter und Kind behaftet sind."

Der für das ungeborene Kind und die Schwangere risikolose, frühe und weitgehend verlässliche Test auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) könne aber zunehmend dahin führen, dass der Test nicht nur bei Risikoschwangerschaften angewendet werde, warnte Hecken: "Ich sehe die Gefahr, dass es in der Realität einen subtilen gesellschaftlichen Druck zu einem Screening geben wird. Dass Eltern behinderter Kinder gefragt werden: Wieso habt ihr den Test nicht gemacht?"

Der frühere saarländische Gesundheitsminister und CDU-Politiker sieht den Bundestag in der Pflicht, eine Willensbildung darüber herbeizuführen, wie weit molekulargenetische Testverfahren in der Schwangeren-Vorsorge zur Anwendung kommen sollen. Er begrüßte die Initiative von Abgeordneten aller Fraktionen für eine parlamentarische Debatte über ethische Fragen im Zusammenhang mit den Tests.

Hecken zufolge bezahlen viele Frauen und Paare den neuen Test heute schon aus eigener Tasche. Auch werdende Eltern mit wenig Geld versuchten, die Kosten von 200 bis 300 Euro für den Bluttest aufzubringen, "um das Kind im Mutterleib nicht zu gefährden". Ärzte wiederum seien verpflichtet, über die verschiedenen Testmöglichkeiten und Risiken aufzuklären. Die Fruchtwasseruntersuchung oder eine Biopsie der Plazenta, die von den Krankenkassen bezahlt werden, führen in etwa einem Prozent der Fälle zu Komplikationen - bis hin zu Fehlgeburten.

Hecken erklärte, der Bundesausschuss arbeite parallel zu dem Bewertungsverfahren für den Bluttest an einer detaillierten Broschüre zur Information der werdenden Eltern. Den Druck zur Abtreibung nannte Hecken eine "Fehlentwicklung", die er persönlich sehr bedaure, "sozialpolitisch, gesellschaftspolitisch, ethisch und als Christ." Die Frage müsse sein, was Eltern davon abhalte, sich für ein behindertes Kind zu entscheiden.

Genaue Angaben darüber, wie häufig abgetrieben wird, wenn beim Ungeborenen ein Down-Syndrom festgestellt wurde, gibt es nicht. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe, die die Kostenübernahme für den Bluttest ablehnt, spricht von neun von zehn Fällen. Studien kommen zu geringeren Zahlen. Nach Angaben des Konstanzer Herstellers der "PraenaTests" haben in Deutschland seit 2012 rund 50.000 Frauen den Test machen lassen.

epd-Gespräch: Bettina Markmeyer