Soziales
Seit zehn Jahren ein gewohntes Bild: zum Rauchen bitte vor die Tür.
© epd-bild / Rolf Zöllner
Durchatmen in Kneipen und anderswo
Seit zehn Jahren gilt bundesweit das Rauchverbot in der Gastronomie
Köln (epd). Man erkennt sie daran, dass sie sommers wie winters vor den Türen von Restaurants, Cafés und Bars stehen: Raucher, die sich draußen eine Zigarette anstecken müssen. Seit zehn Jahren ist dass so: Zum 1. Juli 2008 wurde bundesweit das Verbot von Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen in Gaststätten eingeführt. Was hat das Verbot nun tatsächlich bewirkt?

Kritikern zufolge wurde damit der kleinen Kneipe an der Ecke der Todesstoß versetzt. Befürworter dagegen heben dagegen hervor, dass das ein wichtiger Schritt sei, um Nichtraucher zu schützen.

Als im Juli 2007 das "Bundesnichtraucherschutzgesetz" erlassen wurde, verbot es zunächst einmal nur das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen des Bundes. Auch im Nahverkehr sowie in Bahnhöfen war der Glimmstängel fortan nicht mehr gestattet. Wieweit auch Gaststätten zu rauchfreien Zonen erklärt werden sollten, war Sache der Länder. Zum 1. Juli 2008 traten dann Rauchverbote in allen Bundesländern in Kraft.

Allerdings gibt es große Unterschiede darin, wie streng der Tabak-Bann gehandhabt wird. Die meisten Bundesländer gestatten den Gaststätten abgetrennte Raucherräume. Zudem gibt es Ausnahmeregelungen für sogenannte Eckkneipen, wenn sie unter 75 Quadratmeter groß sind und aus nur einem einzigen Raum bestehen.

Ein absolutes Rauchverbot in Gaststätten gibt es nur in drei Bundesländern, nämlich in Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Erwartungsgemäß hagelte es hier auch die meisten Proteste vonseiten der Gastronomie.

Die kleine Kneipe sei der größte Verlierer des Rauchverbots, sagt etwa Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen. Das Geschäftsmodell der Kneipe sei wie ein dreibeiniger Hocker, meint er: "Rauchen, quatschen, trinken. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, Sie nehmen da ein Bein weg." Diese Kneipen würden fast ausschließlich von Rauchern besucht: "Und Raucher muss man nicht vor anderen Rauchern schützen", meint Hellweg.

Zwar sei die Kneipe auch schon vor dem Rauchverbot ein "Nischenprodukt mit Nachfrageproblemen" gewesen, gibt e zu. "Aber durch das Verbot ist es für die Kneipenwirte noch viel schwieriger geworden." Nach Angaben des Verbandes ist die Zahl der Kneipen zwischen 2008 und 2014 bundesweit um mehr als 7.000 auf 32.000 gesunken.

Ganz anders sieht das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Die Gesetze zum Nichtraucherschutz in Gaststätten waren wichtig, um das Rauchen in der Öffentlichkeit weiter einzuschränken", sagte Michaela Goecke, die Referatsleiterin für Suchtprävention, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Hintergrund sei dabei natürlich, Nichtraucher vor den Gesundheitsrisiken des Passivrauchens zu schützen. "Aber auch die Rauchenden profitieren von qualmfreien Restaurants und Gaststätten. Mehrheitlich befürworten auch sie die Nichtraucherschutzgesetze."

Auch der Suchtexperte und -therapeut Norbert Teutenberg vom Sozialdienst Katholischer Männer in Köln hält das Rauchverbot von 2008 für einen wichtigen Baustein in der Gesamtentwicklung der letzten zehn Jahre: "Denken Sie daran, was sich alles verändert hat: Vorher wurde überall geraucht: in Zügen, in Ämtern, an der Uni. Heute ist es ganz selbstverständlich, dass überall nicht geraucht wird."

Seit Jahren seien sowohl die Anzahl der Raucher wie die Verkaufszahlen von Zigaretten rückläufig. Und tatsächlich: Während im Jahr 2000 nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation noch 17,5 Millionen Deutsche täglich rauchten, waren es 2015 schon weniger als 15 Millionen. Die Zahl der in Deutschland verkauften und versteuerten Zigaretten sank nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 146 Milliarden im Jahr 1991 auf fast die Hälfte (75 Milliarden) im Jahr 2016.

Insgesamt scheine das Gesamtpaket gegen Rauchen also zu wirken, sagt Teutenberg. Dazu gehören für ihn auch die abschreckenden Symbolbilder auf den Zigarettenschachteln. "Das macht es etwa für Jugendliche zunehmend ziemlich uncool, Zigaretten zu konsumieren."

Dennoch sei der Staat gefordert, noch entschiedener über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens aufzuklären. "In Deutschland sterben immer noch jedes Jahr 140.000 Menschen an den Folgen ihres Nikotinkonsums." Sie alle hätten sich zuvor meist sehr teuren Therapien unterzogen. Das sei ein massiver volkswirtschaftlicher Schaden.

Von Barbara Driessen (epd)