Ethik
Der QR-Code auf einer Produktpackung des Berliner Start-ups "Share Foods" zeigt, wem ein Teil des Verkaufspreises als Spende zugutekommt.
© epd-bild / Heike Lyding
Die Spende ist im Preis inklusive
Kauf eines Schokoriegels finanziert eine Lebensmitteltüte der Tafel
Frankfurt a.M. (epd). Die Nussriegel sollen nicht nur ihre Käufer in Deutschland satt machen, sondern auch Bedürftige auf der ganzen Welt: Seit März vertreiben die Handelskonzerne dm und Rewe in 5.000 Filialen Produkte der Marke share, mit der das Berliner Start-up "Share Foods" Verbrauchern das Helfen leichtmachen will. "Endlich Teilen ohne abzugeben", bewirbt das Unternehmen auf seiner Webseite das "1+1 Prinzip". Ein Teil des Erlöses werde gespendet: "Du kaufst etwas für dich und gibst dabei automatisch einem Menschen in Not eine gleichwertige Hilfe", erklärt es Mitgründer Sebastian Stricker.

Klingt einfach. Und funktioniert so: Es gibt drei Produkte: Bio-Nussriegel, Mineralwasser und flüssige Handseife. Der Kauf eines Riegels finanziert eine Mahlzeit, der einer Seife ein Stück Seife und der einer Flasche Wasser einen Tag Trinkwasser für eine Person. Auf der Verpackung jedes Produkts befindet sich ein QR-Code. Mit dem Handy gescannt wird sichtbar, wohin die Spende geht und welche Organisation sie verteilt.

Die Details hinter "1+1" sind komplizierter. Denn es gehen nicht die share-Produkte an die Bedürftigen. "Das macht auch keinen Sinn, weil man für den Preis vor Ort viel mehr geben kann", sagt Stricker. Die Riegel finanzierten zum Beispiel in Bangladesch High Energy Biscuits, die Kalorien einer ganzen Mahlzeit bieten, oder sie finanzieren Tüten für die Berliner Tafel, in die gespendetes Essen sortiert wird. "Es werden auch keine Wasserflaschen verteilt, sondern Brunnen gebaut", sagt Stricker.

Er kalkuliert mit zehn bis 20 Cent pro Mahlzeit, zwei bis fünf Cent für einen Tag Trinkwasser und zehn bis 25 Cent für ein Stück Seife. Das Unternehmen kooperiert mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, für das Stricker vorher selbst gearbeitet hat, mit der Organisation "Aktion gegen den Hunger" sowie der Berliner Tafel.

Dass Rewe und dm mit 5.000 Filialen groß eingestiegen sind, hat Stricker und seinem Team "den wohl größten Start einer sozialen Lebensmittelmarke in Deutschland ermöglicht". Mehr als 75.000 Menschen hätten schon Hilfen erreicht, zeigt ein Zähler auf der Webseite. Stricker will aber auch Gewinn machen, sein Modell etablieren und erweitern. "Wir geben fünf bis 17 Prozent des Umsatzes für Soziales aus, andere stecken das in Marketing", sagt der Geschäftsführer. 1,55 Euro kosten die Share-Riegel beim Händler. "Nicht die billigsten, aber auch nicht die teuersten."

Eine gute Tat ohne viel Aufwand also. Ob das Modell den Spendentopf insgesamt vergrößert, müsse sich aber noch zeigen, sagt Martin Acht, Verhaltensökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft. Das hänge stark davon ab, ob es Spenden ersetzt oder ergänzt. "Die meisten regelmäßigen Spender geben jährlich in etwa die gleiche Summe", erklärt Acht. Sehen sie den Einkauf als Spende, "wird an anderer Stelle weniger gespendet und alles verteilt sich nur um." Sehen sie den Einkauf als Kauf mit gutem Gewissen - wie es die Macher hoffen - entsteht ein Spendenplus.

Dass die Verbraucher durch die QR-Codes direkt Informationen erhalten, hält der Ökonom für eine gute Idee: "Es erhöht generell die Spendenbereitschaft." Transparenz sei hier zentral.

Denn "Buy one, give one" - eins kaufen, eins verschenken - sei in Deutschland anders als in den USA eher unbekannt "Die Kooperation der Bierbrauerei Krombacher und der Umweltorganisation WWF konnte sich zum Beispiel nicht etablieren", sagt Acht.

Erste andere soziale Lebensmittel aber durchaus: Die 2008 gegründete Hamburger Lemonaid Beverages zum Beispiel verkaufen heute 16 Millionen Flaschen Limo und Eistee namens "Lemonaid" und "ChariTea" in 15 Ländern. Fünf Cent pro Flasche gehen als Spende in Projekte zur Förderung wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Anbaugebieten der Zutaten. Als Konkurrenz sieht man die Berliner hier nicht. "Mehr soziale Produkte bedeutet mehr Gelder für Hilfen", sagt Lemonaid-Sprecher Torben Bendig. "Wenn wir und andere damit Erfolg haben, etablieren sich solche Modelle in der Wirtschaft und nützen allen."

Von Miriam Bunjes (epd)