Ethik
Udo Di Fabio
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Di Fabio: Autonomes Fahren darf Freiheitsrechte nicht beschneiden
Saarbrücken (epd). Bei der Entwicklung des selbstfahrenden Autos der Zukunft muss nach Ansicht des Ex-Verfassungsrechtlers Udo di Fabio zwischen Wettbewerbsfähigkeit und den Freiheitsrechten des Einzelnen abgewogen werden. Deutschland und Europa dürften sich der neuen Technik nicht verschließen, sagte di Fabio am 19. April in Saarbrücken. Es gehe darum, diese Technik zu entwickeln, aber sie gleichzeitig mit ethischen Fundamenten in Einklang zu bringen.

Der ehemalige Verfassungsrichter hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren geleitet. Diese legte vor einem Jahr umfassende Leitlinien vor. Di Fabio betonte, dass jene weltweit einmalig seien und inzwischen auch Eingang in die Verkehrsministerkonferenz der G-20-Staaten gefunden hätten.

Der Bericht fasst demnach 20 Kernthesen zusammen, unter anderem, dass das automatisierte und vernetzte Fahren ethisch geboten sei, wenn die Systeme weniger Unfälle verursachten als menschliche Fahrer. Gleichzeitig müsse aber die Entscheidungsfreiheit erhalten bleiben. "Der Mensch darf ein Risiko sein", betonte Kommissionsleiter di Fabio. "Wenn wir alles vorschreiben, dann kommen wir in eine andere Welt. Die mag komplett sicher sein, sie wäre aber auch komplett unfrei." Der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht sprach bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes.

Di Fabio sieht die rechtlich schwierigste Aufgabe beim vernetzten Fahren in der dabei anfallenden Datenflut. Hersteller, die in der letzten Ausbaustufe des fahrerlosen Autos für alle Unfälle haften müssten, benötigten alle sicherheitsrelevanten Daten zur Weiterentwicklung der Systeme, erklärte er. Zum anderen müsse geregelt werden, dass die Daten nicht in falsche Hände etwa von Hackern oder auch anderen Unternehmen gelangen könnten.

Dagegen sieht di Fabio bei der Ausgestaltung von Haftungsfragen und Programmierung der Systeme vergleichsweise geringe Probleme. Nach Ansicht der Ethik-Kommission dürfe ein automatisiertes Auto bei einem unvermeidbaren Unfall keinen Unterschied zwischen der Tötung oder Verletzung einzelner Menschen etwa nach Alter und Geschlecht machen. Ethisch vertretbar halte es die Kommission aber, wenn sich das Auto in einer solchen Situation dafür entscheidet, einen Fußgänger zu überfahren anstatt in eine ganze Gruppe von Menschen zu steuern.