Kirche
Darstellung einer Taube als Symol des Heiligen Geistes in der Kuppel des Berliner Doms
© epd-bild/Rolf Zoellner
Bischöfe rufen an Pfingsten zu Offenheit und Gemeinschaft auf
München (epd). Die Bischöfe in Deutschland haben die verbindende Kraft des Pfingstfestes betont und zu Offenheit für andere Kulturen aufgerufen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Kreuz als zentrales Identitätssymbol. Für Christen sei das Kreuz nicht Gegenstand des Streites unterschiedlicher politischer Überzeugungen, sondern "das Zeichen unseres Herrn und Heilands Jesus Christus", sagte der bayerische evangelische Landesbischof am Pfingstsonntag in München.

Bedford-Strohm bezog sich auf die bayerische Kreuz-Debatte, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ausgelöst hat. Laut Kabinettsbeschluss soll ab 1. Juni in allen bayerischen Dienstgebäuden im Eingangsbereich ein Kreuz hängen. Der Bischof sagte, er wünsche sich jenseits religiöser oder weltanschaulicher Überzeugungen der Bürger einen Geist für Deutschland. "Und wenn das Kreuz in öffentlichen Gebäuden hängt, dann ist das dieser Geist, den es ausstrahlen soll."

Vor diesem Geist müsse niemand Angst haben. Er könne Juden, Christen und Muslime zusammenführen und die unseligen Identitätsdebatten überwinden, "in denen man versucht, die eigene Identität durch die Abwertung der anderen zu stärken", sagte Bedford-Strohm.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte in seiner Pfingstpredigt, der Geist Gottes trage den Gläubigen auf, offen zu sein für alle Völker, Sprachen und Kulturen. Hass, Abgrenzung oder Urteile über Andere kritisierte Marx als "falsche Werte". Dagegen seien Liebe, Langmut, Geduld und Verzeihung die Gaben des Heiligen Geistes, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Er forderte zu "Verstehen, Hören, Austausch" auf. Marx erinnerte an "die Wunden der Menschen", die Angst, der Krieg in Syrien sowie Flucht und Armut verursachten.

Der evangelische Bischof Andreas von Maltzahn (Schwerin) rief die Christen dazu auf, ihren Glauben in die Gesellschaft hineinzutragen. Es gebe heute etliche Situationen, "in denen wir unseren Glauben zu bewähren haben", sagte der Bischof am Pfingstmontag auf dem Hesselberg (Landkreis Ansbach) in Bayern. Wenn Gerüchte und Fake News nach Aufmerksamkeit gierten, gelte es zu prüfen, was Fakt ist, und für die Wahrheit einzutreten. Der Glaube müsse sich auch bewähren, wenn "Wahlkämpfer - welcher Partei auch immer - Ängste schüren und Ressentiments verstärken gegen Menschen, die anders sind". Dann gehöre es zur Verantwortung von Christen, klar zu machen: "Nicht in meinem Namen! Ob am Stammtisch oder in der Wahlkabine."

Der katholische Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, verwies auf die verbindende Kraft des göttlichen Geistes, die an Pfingsten gefeiert werde. Es sei eine "lebensrettende Kraft, die keine Grenzen kennt". Sie sei auch in anderen Religionen und Kulturen präsent, "dort, wo Menschen gut miteinander umgehen und eine Gottesbeziehung leben, die sie stärkt", sagte Fürst. Der gute Geist Gottes stehe jeglicher Form von Intoleranz und Antisemitismus entgegen.

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Der Name geht auf das griechische Wort "pentekoste" (der Fünfzigste) zurück, weil das Pfingstfest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als "Geburtstag der Kirche" verstanden. Der Bibel zufolge hat Gott seinen Geist nicht einzelnen Auserwählten, sondern allen Gläubigen geschenkt.