Entwicklung
June Odongo
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Aufbauhilfe statt Forbes-Liste
Im Ausland erfolgreiche Kenianer kehren zurück
Nairobi (epd). June Odongo führte das Leben, von dem viele Menschen träumen. Die Kenianerin war dabei, eine glänzende Karriere in den USA zu machen und viel Geld zu verdienen. Doch statt ihr Ziel aus Jugendjahren zu verfolgen, eines Tages auf der Forbes-Liste der weltweit reichsten Menschen zu stehen, kehrte sie nach Kenia zurück und fing etwas Neues an. "In den USA kann ich ein gutes Leben führen und erfolgreich sein, aber die eigene Existenz spielt kaum eine Rolle", beschreibt die 40-Jährige ihre damalige Unzufriedenheit.

Im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Hurlingham, einem Stadtteil der kenianischen Hauptstadt Nairobi, leitet Odongo nun ein kleines Logistik-Unternehmen, das sie 2016 mit einem Kollegen gründete. "Alle unsere Kunden kommen wieder", sagt sie mit einem gewissen Stolz. Details über Umsatz oder Gewinn will die in Jeans, schlichter weißer Bluse und buntem Kopftuch gekleidete Geschäftsführerin nicht nennen. Sie wolle der Konkurrenz möglichst wenig Informationen zur Verfügung stellen, sagt sie.

Odongo ist eine von immer mehr "Repats" in Afrika: Sie kehren nach einer guten Ausbildung im Ausland in ihre erste Heimat zurück, um zu investieren. Der Begriff lehnt sich an "Expats" an, den Ausländern, die wegen ihrer Fachkenntnisse in Afrika arbeiten, weil es dort mutmaßlich an gut ausgebildeten Kräften fehlt. Das aber ändert sich zunehmend. In Kenia und anderen Ländern ist eine Mittelschicht entstanden, die entweder an einheimischen Lehranstalten eine gute Ausbildung erhielt oder im Ausland dieselben hochkarätigen Institutionen besuchte, wie Spitzenkräfte aus Europa, Asien oder Amerika.

Zu ihnen gehört auch Farah Samanani. Die Personalvermittlerin machte ihren Management-Abschluss an der Elite-Universität Yale und arbeitete lange in Führungspositionen in den USA. Die elegante Frau Anfang 40 hätte überall auf der Welt einen gut bezahlten Job finden können, entschied sich aber für Kenia. Zum einen, weil das ihre Heimat ist. Zum anderen ging es ihr um ihre beruflichen Chancen. "Jeder redet über Afrika als den Ort, an dem es schier unendliche Möglichkeiten gibt. Ich wollte auf keinen Fall was verpassen - vor allem, wo es um meine Heimat geht!"

Samanani leitet in Kenia mehrere Personalagenturen, die Führungskräfte vermitteln. Eine von ihnen, "Kenyans Come Home", gründete sie selbst. Die Agentur vermittelt meist Kräfte aus dem mittleren bis gehobenen Management. "Aus diesem Bereich hatten wir schon alles, vom Geschäftsführer über Direktoren bis zu Abteilungsleitern", erzählt Samanani, die ein blaues Kostüm und tadelloses Make-up trägt. Die Vermittelten haben in der Regel ein bis zwei im Ausland erworbene Hochschulabschlüsse und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung. Darunter sind "Expats" und "Repats".

Auch June Odongo hat an einer renommierten US-Uni studiert: Sie machte ihren Abschluss in Harvard. Danach arbeitete sie als IT-Spezialistin und Wirtschaftsberaterin, zuletzt im Silicon Valley, wo sie bei einer schnell wachsenden Firma die Entwicklung einer neuen Software leitete. Sie arbeitete fast rund um die Uhr. "Ich wurde großartig bezahlt. 185.000 Dollar im Jahr als Grundgehalt, außerdem jede Menge Zulagen." Insgesamt 20 Jahre lebte die zupackende und zugleich nachdenkliche Frau in den USA.

Es war Odongo, als sie ihren Job im Sillicon Valley kündigte, nicht von Anfang an klar, dass sie ihre Firma in Kenia gründen würde. Zwischendurch dachte sich auch an Berlin. "Eine optimale Stadt für Start-Ups im Technologiebereich." Aber dann flog sie für einen Besuch nach Kenia und entschied sich um. "In Kenia hat man alle Möglichkeiten, die Entwicklung zu beeinflussen. Außerdem ist das hier mein zu Hause, und was ich leisten kann, sollte ich meiner Heimat geben."

Ihr Unternehmen ist eine Art Frachtbörse: Wenn jemand etwas transportieren muss, vom Hausrat bis zur Baumaschine, sucht Odongos Firma in möglichst kurzer Zeit nach dem richtigen Transporteur. Das geschäftliche Umfeld ist schwierig, die Bürokratie ein Problem, viele Prozesse dauern viel länger, als ihr das aus den USA vertraut ist. Trotzdem hat Odongo ihre Entscheidung nie bereut: "Meine Talente sind hier nützlicher als überall anders auf der Welt."

Vielen anderen Rückkehrern geht es ähnlich. Gemeinsam ist allen der Wunsch, "impact" zu haben. Gemeint ist ein Einfluss, der etwas verändert - in der Gesellschaft, oder wenigstens für eine gewisse Anzahl von Menschen. "In den entwickelten Märkten der Industrieländer hat man kaum die Möglichkeit, wirklich Spuren zu hinterlassen und Einfluss zu nehmen, weil alles schon da und fertig ist", beschreibt das Samanani. In Kenia dagegen scheint ihr das, was sie tut, viel mehr positive Folgen zu haben.

Von Bettina Rühl (epd)