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Priesterausbilder: Sexualität nicht verleugnen

Der Ausbildungsleiter für Priesterkandidaten im Bistum Münster, Hartmut Niehues, warnt vor einer Verleugnung der Sexualität. Das helfe nicht weiter, sagte der Regens im Bischöflichen Priesterseminar Münster der katholischen Wochenzeitung "Kirche+Leben" (Online). "Aber ich kann in der Sexualität eine schöpferische Kraft sehen, die mir von Gott geschenkt ist." Dann gehe es darum, was man mit dieser Kraft mache. "Ich habe als Mensch ja auch einen Aggressionstrieb und muss lernen damit umzugehen, um nicht sofort jemanden zu schlagen", betonte Niehues.

"Wir sehen die Berufung als Priester und zum Zölibat getrennt", sagte er. Wer die eine Berufung habe, müsse nicht automatisch auch die andere haben. "Ich kann das dann akzeptieren und mir einen sexuellen Verzicht auferlegen", betonte Niehues. Allerdings sei zweifelhaft, ob das weit trage. "Auf der anderen Seite kann ich in dem Verzicht auch eine Berufung entdecken, die mich bereichert."

Bei der schöpferischen Möglichkeit von Sexualität gehe es nicht nur um Geschlechtsverkehr, erklärte der Priesterausbilder. "Es geht in der Sexualität immer um Beziehungen." Deswegen müsse sich der Priester fragen, wo er tragfähige Beziehungen leben könne. Dazu gehörten Freunde, denen er sich öffnen könne. "Solche Beziehungen fehlen leider manchmal - aber nicht nur Priestern, sondern vielen anderen Menschen auch."

Der Priester bekomme in seiner Ausbildung das Rüstzeug, mit der Spannung umzugehen, sagte Niehues. "Wenn wir erkennen, dass jemand hierhergekommen ist, um sich mit seiner Sexualität nicht auseinandersetzen zu müssen, dann muss das geklärt werden." Beim Thema Homosexualität betonte der Priesterausbilder, dass dies nicht das Motiv sein dürfe Priester zu werden. Es gehe um die Frage, ob zölibatäres Leben möglich sei oder ob die sexuellen Empfindungen so bestimmend sein, dass andere Aspekte der Persönlichkeit in den Hintergrund träten. Das gelte aber auch ähnlich für heterosexuell empfindende Priester.