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Khorchide: Jesus hat im Koran größere Rolle als angenommen

Jesus spielt im Koran laut dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide eine größere Rolle als bislang angenommen. Der Koran gebe Hinweise, dass Jesus bedeutender als nur als Gesandter Gottes gesehen werden solle, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster am Freitag beim Deutschen Katholikentag in Münster. Jesus werde im Koran beispielsweise als Zeichen, Diener und Wort Gottes dargestellt. Wenn der Koran auf Distanz gehen wollte, würde er diese Bezeichnungen nicht verwenden.

Auch in der islamischen Koranauslegung würden einige Passagen als Gegnerschaft des Christentums gedeutet, erklärte der Islamwissenschaftler, der gemeinsam mit dem Paderborner katholischen Theologen Klaus von Stosch das Buch "Der Andere Prophet. Jesus im Koran" veröffentlicht hat. Es gehe im Koran nicht darum, in Gegnerschaft zum Christentum zu stehen. So werde Christen in einer Sure beispielsweise das ewige Leben versprochen.

Auch der Theologe Klaus von Stosch erklärte, es gebe bei gründlicher Forschung keine Stelle im Koran, die gegen Jesus gerichtet sei. Was dort über Jesus stehe, seien Dinge, von denen auch Christen lernen könnten, sagte der katholische Professor für Systematische Theologie.

Den Forschungen der beiden Wissenschaftler zufolge spielt Jesus im Koran eine bedeutsame Rolle: In insgesamt 108 Versen in 15 verschiedenen Suren wird er direkt erwähnt. Sechs Jahre lang haben die beiden Theologen ihr Buch in einem gemeinsamen Prozess geschrieben. Von einem christlich-muslimischen Forscher-Team wurden sie in ihrer Arbeit unterstützt.